Gebt Tierheimhunden ein Zuhause

MALA erzählt (27) Die Kaiserin kommt!

Ich hätte mir ja nie vorstellen können, dass nach Gina noch mal eine Hundefrau in unsere Familie kommt. Denn keine, wirklich keine, könnte jemals GINAs Platz einnehmen.

Natürlich war hier, seitdem uns GINA verlassen hat, ein Hundekörbchen leer und blöderweise musste ich nun immer, wenn der Zweibeinmann und LUCA als Männergruppe unterwegs waren, ganz alleine zu Hause bleiben. Und ja, ich habe dann lang und breit und laut und deutlich kundgetan, dass ich mich alleine fühle…. Aber sind das wirklich ausreichende Gründe um hier mit einer neuen Hündin anzufangen???

Was heißt überhaupt neu? So neu ist die, die da kam auch nicht. Eigentlich wirkte sie auf den ersten Blick eher alt: schwarz, klein, rappeldürr… so kam sie hier an.
Aber ein Auftreten, wie Gräfin Koks! Kaum hatte sie ein Pfötchen in den Garten gesetzt, wieselte sie auch schon kreuz und quer durch das Haus, guckte in alle Stuben, sprang in jedes Körbchen und inspizierte insbesondere jede Ecke der Küche….

LUCA und ich haben ja gelernt, dass wir nett zu Besuch sein sollen und so dachten wir uns auch erstmal gar nix ernstes dabei, als dieses schwarze „Hoppla-jetzt-komm-ich“ hier einfiel.

Doch es wurde Abend, es wurde Nacht und am nächsten Tag war sie immer noch da. Und munter und keck wie am Tag zuvor. Klaute LUCA das Spielzeug, versuchte vor mir an die Keksgaben der Zweibeiner zu kommen und holte sich sogar das Frühstück vom Zweibeinmann vom Tisch.

Wie kann man so klein und spillerig und so frech sein??? LUCA ist ja Damen gegenüber eher gentleman, aber als er dieses schwarze Kleintier mal ganz höflich darauf hinweisen wollte, dass es hier bestimmte Hausstandsregeln zu beachten gibt, wurde die Kleine fuchtig und richtig grell und machte ruck-zuck klar, dass sie sich von einem so jungen Schnösel auch wenn er doppelt so groß und dreimal so schwer wie sie ist, ganz bestimmt nix sagen lässt.

LUCA war geschockt – wie konnte das passieren? Er hatte doch wirklich nur ganz höflich andeuten wollen…. Wie auch immer: er war bedient! Und hat sich schmollend in sein Körbchen zurück gezogen.

Und ICH? Ich habe es ja grundsätzlich nicht nötig für irgendetwas, außer für mich selbst Sorge zu tragen. Zum Sorgen und Kümmern sind ja die Zweibeiner der Familie da.

Also habe ich mich zu LUCA ins Körbchen gelegt und darauf gewartet, dass die Zweibeiner das hier geregelt kriegen. Im Regeln aufstellen ist ja die Zweibeinfrau immer ganz weit vorne dabei, da ist Verlass drauf.
Und so war es auch jetzt: die Zweibeinfrau wusste gleich und ganz genau, was SISSI – so heißt die Schwarze nämlich – tun darf und was sie lassen soll.
Die Zweibeinfrau wusste es, der Zweibeinmann auch, LUCA wusste es, ich selbstverständlich auch… Nur SISSI pellte sich ein Ei drauf, was hier erlaubt und was verboten ist sondern schaltete und waltete in unserem Haushalt, als ob sie das Zepter in der Hand hätte.

Da herrschte bei den Zweibeinern erstmal Ratlosigkeit. Wie konnte das passieren? Warum ignorierte diese schwarze Hundefrau alle gutgemeinten Ratschläge und Regeln????

Bald schien des Rätsels Lösung gefunden: das arme, alte Hundemädchen war wahrscheinlich taub oder aber zumindest sehr schwerhörig, meinten die Zweibeiner….

ICH war da ja bei dieser Erklärung eher skeptisch, aber da ich ja Handzeichen aus den letzten Jahren mit der wirklich fast tauben GINA kannte, hatte ich auch keine Einwände, dass hier jetzt vieles mit Handgewedel und Körpersprache angesagt werden sollte. LUCA auch nicht, denn der versucht ja sowieso immer den Zweibeinern jeden Wunsch zu erfüllen.

Nur Fräulein SISSI Naseweis…, die war wahrscheinlich nicht nur taub sondern, wenn man jetzt mal in dem Erklärungsmuster bleiben wollte, auch blind.
Eindeutig dagegen sprach allerdings ihr Verhalten bei den Reviergängen, denn ihr entging kein Mäusegeraschel im Unterholz und kein Hasenohr in weiter Flur…

Das konnte ja heiter werden. „Unsere“ Zweibeiner sind ja wirklich eher gemütlich, machen keinen Stress und hegen und pflegen uns sehr angenehm… Aber so ein wenig Kooperationsbereitschaft sollte man als kluge Fellnase schon sozusagen im Austausch bereit stellen, sonst werden sie einfach zu dominant.

Und so war es auch jetzt: die Zweibeinfrau sagte z.B. nicht nur zu uns Schäfitieren, dass wir auf unseren Platz gehen sollen (um es sogleich wieder zu vergessen), nein sie bestand darauf und wenn es nicht klappte, dann deutete sie auch ganz streng dahin. Es reichte auch nicht, dass man sich da mal kurz mit dem Popo reinsetzte, nein alle Fellnasen mussten sich dann auch wirklich niederlassen und minutenlang da drin bleiben. Eigentlich ja gar nicht schlimm, denn die Hundeplätze sind schöne kuschelig mit Schaffellen ausgelegte Körbchen… aber grundsätzlich entscheide ich doch lieber selber, wann und wie lange ich mich da rein lege.

LUCA und ich lösten dies Problem indem wir einfach versuchten der Zweibeinfrau nicht aufzufallen und waren super folgsam und aufmerksam artig, bevor sie auf irgendwelche blöden Ideen kam. Dafür wurden wir auch oft tüchtig gelobt.

SISSI Naseweis aber fiel von einem Fettnäpfchen ins andere : aufdringliches Betteln am Tisch, Drängeln an der Tür, Nutzung des falschen Sofas, Sprung ins Zweibeinbett… alle diese no-goes, punktgenau traf sie da immer wieder ins Schwarze. Und völlig penetrant bestanden beide Zweibeiner darauf ihr allezeit wieder zu erklären, was denn eigentlich hier in solchen Situationen erwartet wird.

Es war schon interessant zu beobachten: einerseits reagierte SISSI scheinbar beharrlich völlig unbeeindruckt und ungerührt auf solche Ansagen… andererseits so nach und nach schien sie aber doch auch den ein oder anderen Patzer auszulassen….

Und ein um den anderen Tag entspannte sich hier die Stimmung wieder in unsere gewohnte well-care Atmosphäre.

Natürlich gab es auch gelegentlich mal kleinere Abstimmungsprobleme unter uns Fellnasen, aber das ist eine andere Geschichte.

Bis zum nächsten Mal und viele Grüße
Eure MALA