Gebt Tierheimhunden ein Zuhause

MALA erzählt (25): Erziehungsfehler

Heute will ich Euch mal was zu Erziehungsfehlern beim Zweibein erzählen. Bisher fehlt zwar eine entsprechende Fachliteratur dazu und auch die wissenschaftlichen Erhebungen sind noch nicht soweit… aber ich kann hier gerne schon mal vorgreifen!

Wie ihr ja alle wisst, haben wir Hundis verteilt über den Tag (und die Nacht) immer mal wieder Wünsche und Vorschläge zur Freizeitgestaltung, die wir an die Zweibeiner herantragen müssen. Man könnte auch sagen, dass es hier unser naturgegebener Auftrag ist die Zweibeiner entsprechend zu erziehen. Und dabei können schwerwiegende Fehler unterlaufen, die kaum wieder zu resozialisieren sind!

Im Folgenden möchte ich mal eine kleine Ausführung zu Erziehungsproblemen bei Zweibeinern geben:

Die Natur hat uns ja nun eine Vielzahl von Ausdrucksmöglichkeiten und Kommunikationsmitteln als Erziehungsmittel gegeben:

1. Die Lautsprache
2. Die Körpersprache
3. Zähne und Pfoten
4. Psycho-Strategien

Zu 1. Die Lautsprache) ist zu sagen:
Bellen, Kläffen, Knurren… kann mal ganz nützlich sein, z.B. wenn die Zweibeiner in ihren Körbchen liegen und Schlafgeräusche machen und man selbst dringend den Garten inspizieren möchte (dafür gibt es verschiedensten Gründe – würde hier aber zu weit führen).
Meist allerdings bringt es nicht so viel, laut mit einem Zweibein rumzuschimpfen – entweder ignorieren sie es oder - im ungünstigsten Fall - machen sie dann einfach eine Tür zu und man kann sehen, wo man mit seinem Rumgeschreie zu recht kommt.
Besser ist dann schon, kleine Unmutsgeräusche von sich zu geben. So ein kehliges Maulen ist da mein „special offer“. Das kann ich gut und in einer ziemlichen Variationsbreite, von ganzleise, verhalten und wenn das denn nicht den gewünschten Erfolg bringt, dann sozusagen in lautmalerischen Arien aneinander gereiht. Das klappt immer!!!!
LUCA probiert es im Moment noch mit Winseln oder so einer Art hoch-schrillem Quietschen. Da muss er noch lernen, dass dies anscheinend eher schmerzlich für Zweibeinohren ist und keine wohlwollende Zuwendung bringt.

Zu 2. Die Körpersprache) ist zu sagen:
Schwanzwedeln kommt immer gut – das muss sich Hund merken!!!! Schwanzgewedel ist meist ein Garant für warme Worte und auch eine Streichelhand. Schwanzgewedel eignet sich sehr gut um Massageanträge zu stellen.
Das klappt eigentlich immer und ist ganz einfach: stell Dich vor Dein Zweibein, guck es freundlich an und wedele mit dem Schwanz und schon startet die Massage!
Mit entsprechenden Bewegungen kannst Du dann die Intensität und die zu bearbeitenden Bereiche steuern. Ganz, ganz prima.
Manchmal reicht es auch, nur ein ganz klein wenig die Schwanzspitze zu bewegen. Z.B., wenn man sich eigentlich schon zum Schläfchen bereit im Körbchen eingerollt hat und die Zweibeinfrau kommt vorbei. Dann ein ganz kleines, sanftes Schwanzspitzengewedel und die Zweibeinfrau kommt flugs zum Körbchen und knuddelt noch mal die Öhrchen oder gibt einen zärtlichen Schnauzenstubs, als Gute-Nacht-Gruß.
Mit dem Schwanz laut und vernehmlich auf den Boden zu klopfen geht übrigens auch und hat den gleichen Effekt – ist mir persönlich aber zu anstrengend. Das ist eher was für den Grobmotoriker LUCA.

Ein absolutes no-no und das weiß ich auch erst, seitdem LUCA in unserer Familie ist, ist es Zweibeiner anzuspringen.
Das macht der LUCA nämlich, aber fast nur bei der Zweibeinfrau.
Und die mag es nicht!!!! Und das sagt sie ihm eigentlich täglich.
Und er versteht es nicht – eigentlich täglich!
Und ich versteh es auch nicht, dass er es nicht versteht, mein ich. Weil, es ist doch eigentlich super-deutlich, wie die Zweibeinfrau genervt und ärgerlich wird….
Naja, das müssen die Beiden unter sich ausmachen, da kann ich nun wirklich nicht auch noch dabei helfen.
Was aber in dieser Richtung echt gut kommt ist, wenn man sich so um das Zweibein rumschlängelt und das Köpfchen dabei an deren Beinen reibt. Das mögen sie anscheinend und schon hat man sich eine Streicheleinheit und wenn es ganz gut läuft eine Ganzkörpermassage gesichert.

Zu 3. Zähne und Pfoten) ist zu sagen:
Zähne ist so ne Sache. Zähne hat hier eigentlich, meiner Beobachtung nach, erst der LUCA mit ins Spiel um die Zuwendung des Zweibeins gebracht. Irgendwie fand er, dass es eine gute Idee wäre, in die Unterarme und Hände der Zweibeiner Zahnabdrucke reinzutackern.
War aber nicht gut – es wurde ganz klar: Zweibeiner schätzen keine Zahnabdrücke und kleine Ritze in ihrer Haut – auch nicht, wenn sie nett gemeint sind!!!
Was aber scheinbar geht: mit spitzen Vorderzähnen – und nur mit denen – ganz vorsichtig an erreichbaren Körperteilen wie z.B. an einer Zweibeinnase sanft rumzuknabbern… Aber das kenne ich wirklich nur aus der Theorie heraus, denn ICH habe ja keine Zähne und daher ist es mir eigentlich auch pupsegal, was man damit alles so tun kann.
Die Pfoten kann ich allerdings auch einsetzen und pföteln ist ganz wichtig und toll und wird auch von den Zweibeinern gerne genommen. Man kann einfach eine Pfote hochheben und schon brandet Begeisterung auf… wenn man sich auf seinen Popo setzt und mit beiden Vorderpfoten durch die Luft paddelt (kann nur ICH) gibt es meist auch ein kleines Kekschen. Man kann aber auch einfach eine Pfote auf einen Fuß des Zweibeins stellen oder legen und so bekommt man sofort mit, ob sich das Zweibein (in Richtung Ausgang, in Richtung Futter….) bewegt. LUCA – so habe ich beobachtet – legt sogar manchmal, wenn die Zweibeiner so nutzlos rumsitzen, eine Pfote auf ein Zweibeinbein, um darauf aufmerksam zu machen, dass es im Haushalt auch noch andere bedürftige Wesen gibt. Wenn das dann nicht die gewünschte Reaktion hervorruft, legt er oft auch noch mal den Kopf dazu… das bringt dann wirklich was, das entzückt unsere Zweibeiner sehr und bewegt sie meist in die richtige Richtung (Ausgang, Futter…).
Nur der Vollständigkeit halber erwähne ich mal, dass hund mit den Pfoten rein theoretisch auch kratzen kann…. Aber das nützt in der Erziehung von Zweibeinern oder Türen gar nix… das kann man bedenkenlos streichen!


Zu 4. Psycho-Strategien) ist zu sagen:
Das ist mein Spezialgebiet!!!!! Obwohl der LUCA da mächtig aufholt.
Die allerwichtigste Psycho-Strategie ist: gucken!!!! Aber nicht einfach nur so durch die Gegend gucken, sondern eben: bedürftig, sanft, hungrig, freundlich, flehend, erwartungsfroh, zuversichtlich….
Eben weich und plüschig: Dann klappt es auch mit der Wunscherfüllung!

Was man beim Gucken so alles falsch machen kann und wie es eher erfolglos läuft, das zeigte LUCA`s Guck-Versuche in den ersten Monaten bei uns: lauerig, gierig, fixierend… da konnte er keinen Blumentopf (und schon gar kein Keks) damit gewinnen! Das wurde von den Zweibeinern stumpf und hartnäckig ignoriert.

Wenn gucken allein nicht reichen sollte, dann kann man zusätzlich gähnen und sich noch das Schnäuzchen lecken und wenn das immer noch nicht ausreicht, dann beginnt man mit gymnastischen Übungen. Also dabei reckt man und streckt man sich, lässt sich vielleicht auch mal einen kleinen Bocksprung einfallen oder stellt sich ganz buckelig hin und kratzt mit den „Vorderhufen“ wie ein Stier in einer Arena,
aber – Obacht - das Alles mit einem freundlich-verspielten Gesichtsausdruck:

s o n s t w i r d d a s N i c h t s!!!!

Und da bin ich LUCA wirklich noch haushoch überlegen!!! Obwohl der kleine Schmock lernt echt dazu. Seine Spezialität ist, die Schnauze ganz leicht und wie unabsichtlich auf den Rand des Tisches zu legen und flehendlich zu gucken. Merkt man fasst gar nicht – als Zweibein -! Und dann wird die Schnauze wie durch Zauberei immer länger und länger und länger…, aber Ätsch! Spätestens dann kommt von einem Zweibein ein: „LUCA lass das!“ Und aus der Traum…. Manchmal bin ich mir aber unsicher, ob nach so einer Aktion nicht doch ein kleines Häppchen gereicht wird???

Und auch sonst ist der kleine LUCA-Mann gaaar nicht so ungeschickt, was die Anwendung von Erziehungsmethoden betrifft. Er ist ja noch sehr jung und ewig auf der Suche nach Beschäftigung und daher läuft er den Zweibeinern gerne auf Schritt und Tritt nach, immer in der Hoffnung, dass sich da was ergeben könnte und wenn es nur ein nettes Wort oder eine Streicheleinheit ist. Die Zweibeiner ignorieren das meistens, was ihn aber prinzipiell nicht davon abhält, dies unverdrossen fortzuführen. Manchmal ist die Zweibeinfrau dann aber doch etwas genervt* und wird dann ganz streng und sagt ihm, dass er auf seinen Platz gehen soll.

* Und nun muss ich mal was erklären. Eigentlich können wir hier mit unseren Zweibeinern doch recht zufrieden sein. Der Service ist gut, es wird Unterhaltung geboten, das Futter ist lecker, abwechslungsreich – nur leider für mein Dafürhalten immer ein wenig knapp bemessen – und wir Schäfitiere werden oft gelobt und immer sehr, sehr liebgehabt. Das merkt man schon so als sensibles Wesen ganz deutlich.

Aber manchmal ist die Zweibeinfrau echt zickig und vergrellt! Da müssen wir Hundis eigentlich gar nichts dazu tun, dass sie sich so benimmt, an manchen Tagen kommt sie einfach so in dieser miesen Laune zur Türe herein. Ich glaube, es könnte eventuell möglicherweise irgendetwas mit ihrer Nebenbeschäftigung – manche sagen auch Berufstätigkeit – zu tun haben, denn an uns wunderbaren Zauberwesen kann es sicher nicht liegen!

Daher kann es auch mal vorkommen, dass wir eben nicht ständig um sie rumlaufen sollen – auch nicht, wenn es dann ganz, ganz dringend ist, weil vielleicht gerade im Moment ein Keks in den Bauch passen würde oder so… Und wenn es dann sehr blöd kommt, dann dürfen wir Hunde auch nicht überall wo wir wollen, wo wir besonders gut jede Bewegung beobachten können und vielleicht auch die Gehwege im Haus blockieren, rumliegen, sondern müssen auf unseren Platz.
Mir macht es nicht soviel aus, ich denk mir halt mein Teil und warte ab, bis die Zweibeinfrau wieder normal tickt. Aber der kleine LUCA-Mann kann das schlecht aushalten und so hat er sich für diese Fälle was Besonderes angewöhnt…
Wenn die Zweibeinfrau eben so Ihr-geht-auf-Euren-Platz drauf ist, huscht er schnell in ein Körbchen und klopft ganz dolle mit dem Schwanz, meist reicht das schon, um die Zweibeinfrau zum Lachen zu bringen. Wenn`s so nicht klappt, dann legt er sozusagen noch ne Schippe drauf und rollt sich auf den Rücken, grinst freundlich und rudert wie wild mit den Vorderpfoten rum, dann ist bei der Zweibeinfrau meist die Luft raus. Sie kann dieser Einladung von LUCA nicht widerstehen und fängt endlich an sich wie normal vorrangig um uns zu kümmern. Sollte dies – in absoluten Ausnahmefällen nicht fruchten – und die Zweibeinfrau geht auf diese Offerte nicht ein und einfach vorbei ins nächste Zimmer, dann flitzt LUCA hinterher und zieht im Körbchen dort (die stehen hier überall rum) die gleiche Nummer ab, so mit Schwanzklopfen, Grinserei und Pfotenfuchteln und dann hat er sie, das ist gewiss. Dann bleibt sie stehen, fängt an Streicheleinheiten auszugeben und vergisst ihren Stress und kann sich endlich auf die wichtigen Dinge im Leben – nämlich uns – konzentrieren.

Wie ihr seht, mit ein bisschen Engagement und Einfallsreichtum sind Zweibeiner ganz gut zu erziehen.

Und was auch noch gaaanz wichtig ist: immer locker bleiben und eine positive Grundhaltung den Zweibeinern und auch den anderen Vierbeinern gegenüber entwickeln.

Das habe ich von GINA gelernt!
Das ist überhaupt das aller-aller-Wichtigste, was mir GINA beigebracht hat.

Vertraue in die Zweibeiner… die werden es schon richten. Wenn mal was nicht oder nicht gleich funktioniert, dann liegt es nur daran, dass diese uns Hundis nicht verstehen. Aber auch Zweibeiner sind lernfähig und mit den richtigen Erziehungsmethoden (siehe oben) bekommt man sie schon hin!


Mit freundlichem Schwanzgewedel

Eure MALA