Gebt Tierheimhunden ein Zuhause

LUCA berichtet: Beziehungen

Hallo da draußen!

Jetzt bin ich schon fast so lange hier, wie noch nirgendwo sonst in meinem Leben. Und soll ich mal was sagen: Hier glaube ich, bleibe wirklich für immer! Niemand hier hat in dieser ganzen Zeit auch nur andeutungsweise etwas anderes vermuten lassen. Ganz im Gegenteil! Hier habe ich nämlich erst erfahren, dass ich der LUCA bin und nicht der blöde Hunde, der böse Hund oder das unnütze Weichei.
Nein ich bin: der LUCA: ein braver Hund, ein guter Hund und überhaupt hier der weltbeste Schäferhundjunge!!!

Erstmal war ich schon misstrauisch, denn, wenn ihr mal mitgezählt habt, habe ich in meinem ersten Lebensjahr bereits 4 verschiedene Zuhause gehabt und… es war nicht immer schön da!
Naja, am Besten gar nicht dran denken…

Zugegebenermaßen waren die ersten Wochen hier auch ziemlich verwirrend für mich. Nie wusste ich was ich darf oder nicht, so richtig gut zuhören was die Zweibeiner sagen konnte ich auch noch nicht und die beiden Fellnasenmädchen erschienen mir so ganz anders als ich.

Aber so nach und nach wurde das dann schon auch anders… Zum einen gibt es hier jeden Tag den gleichen Ablauf und schon alleine das ist beruhigend zu wissen. Und eigentlich ist das Leben gar nicht so kompliziert hier: ich muss die Dinge nur eben einfach so machen, wie die Schäferhundmädchen der Familie und alles ist paletti! So z.B. bei diesen täglichen Reviergängen, dürften doch die beiden Damen immer einfach so rumlaufen, ohne dass da so ein Zweibein am Strick hing. Ich musste in den ersten Wochen immer so einen Zweibein hinter mir herziehen bzw. ständig anhalten und warten, bis der oder die endlich mitkamen. Manchmal bin ich dann ganz nah zu denen zurückgelaufen und siehe da: es gab einen Keks! Na prima dachte ich, das scheint ja zu heißen: an der Leine rumziehen heißt: dumm abwarten, zum Zweibein gehen heißt: Keks bekommen. Manchmal gabs den Keks aber auch nicht einfach nur so, sondern er wurde im Laub, auf einem Baumstamm oder im Gebüsch versteckt. Hey, das war spannend, denn, wenn ich da intensiv rumschnuffelte, dann fand ich ihn wieder und manchmal auch zwei oder drei von denen. Und, ich kann Euch sagen: diese speziellen Draußenkekse sind ganz besonders lecker… So kam es, dass das an der Leine ziehen gar nicht mehr so interessant war, sondern ich immer ganz aufmerksam die Zweibeiner beobachtete, wer denn nun vielleicht irgendetwas mit den Keksen plante. Am Anfang brachten mich nur noch diese Leichthuffelltiere, die uns Hunden hier überall auflauern, um uns zu lustigen Nachlaufspielen zu animieren, aus dem Konzept… Aber bald waren die mir pupsegal, zumal anscheinend das Auftauchen von denen bedeutete, dass die Kekse aus einer speziellen Abteilung kamen und ganz besonders schmackhaft-frisch nach Fleisch schmeckten. Und es hat gar nicht lange gedauert und auch der LUCA, also ich, durfte einfach nur so mit dem Rudel ausgehen, ohne dass sich so ein Zweibein an mich anleinte.

Das war so, das eine und zum anderen war hier wirklich noch nie jemand mit mir so wirklich ungeduldig, heftig, laut, böse oder gemein.

Der Zweibeinmann ja sowieso überhaupt kein bisschen nicht, der ist wirklich immer - egal was ich gerade mache - supernett. Und wenn mal was wirklich schief läuft, ich z.B. aus Versehen mal an seinem Frühstück rumnasche, weil er gerade mal darauf nicht aufpasst, dann setze ich meinen „ich-bin-so-klein-und-hab-mich-lieb-Blick“ auf und die Welt ist ruckzuck wieder in Ordnung.


Die Zweibeinfrau ist auch o.k., aber irgendwie habe ich den Eindruck, nicht so leicht um die Pfote zu wickeln… Aber und das haut es echt raus: die macht das bestimmt allerleckerste Hundefutter der Welt.

Gina ist eine Vollblutfellnasenfrau ganz nach meinem Geschmack!!! Beherzt, klar, souverän, fair… einfach toll. Auch wenn ich sie ganz am Anfang mal aus Versehen ein bisschen gerempelt habe, hat sie mir das nie übel genommen und mittlerweile pass ich ganz dolle auf, dass ich sie ja nicht schubse. Gina wäre eigentlich die Fellnasentraumfrau meines Lebens: wir beide könnten hier diese kleine Welt mit vereinten Kräften ganz nach unserem Gusto gestalten, wenn…
Ja,… wenn Gina nicht leider schon so schnell außer Puste käme und so wackelig auf den Hinterbeinen wäre. Beim Spazierengehen oder im Garten, da merkt man schon, dass sie eigentlich furchtbar gerne so richtig mit mir Losfetzen würde. Ich stell mir vor, dass ich mit ihr wunderbare Zerrspiele spielen könnte oder den Nachbarshunden mal so richtig ordentlich die Meinung sagen (wenn die Zweibeiner vielleicht mal nicht schnell genug wären)… Aber leider, leider ist sie nun mal schon im hohen Seniorinnenalter, selbst wenn der Wille da ist noch mal auf Junghund zu machen, macht der Rest einfach auf Spaßbremse.

Und dann gibt es ja auch noch die MALA!!!

Ich weiß, ich weiß, die Kleine hat einen echten Fanclub und es gibt wohl kaum einen Zweibeiner, der sie nicht zauberhaft, entzückend, charmant und so was alles findet…

Aber jetzt mal so ganz unter uns:
MALA ist eine echte etepetete Rühr-mich-nicht-an-Ziege!
So, das musste jetzt mal gesagt werden.

Wenn ich fröhlich auf sie zurenne, dreht sie sich einfach um und geht….

Wenn ich ihr mal kumpelhaft das Pfötchen auf die Schulter legen will, legt sie sich einfach untern Tisch…

Knibbel ich sie beim Laufen mal freundschaftlich in den Kragen, macht sie einen Riesensatz zu Seite und ist beleidigt …

Will ich mich zu ihr mit ins Körbchen legen, dreht sie mir den Rücken zu und macht sich groß wie ein Berg damit ja auch das ganze Körbchen ausgefüllt ist (Gina passt übrigens immer problemlos mit rein)…

Und dabei achte ich immer besser darauf bloß auch nett zu den Damen zu sein. Morgens begrüße ich beide immer mit Küsschen (wird von Gina erwidert, von Mala erduldet), lass mich geduldig überall beschnüffeln (wird aber nur von Gina angenommen, MALA zeigt da überhaupt kein Interesse) und versuche den ganzen Tag meine gute Laune und Spielfreude so deutlich zu zeigen, dass man doch eigentlich (wenn man kann) nichts lieber tun sollte, als eben mit mir zu spielen…

Das allerdings kommt, wenn ich es mir recht überlege, im Allgemeinen nicht immer so gut an….

Z.B. wenn die Zweibeinfrau auf der Terrasse sitzt und in solche Papierstapel guckt und ich ihr dann einen Ball bringe, ignoriert sie das einfach…. Wenn ich ihr dann den Kong bringe, ignoriert sie das auch…. Wenn ich dann mit dem Knotenseil komme, würdigt sie mich keines Blickes.

Manchmal helfen diese Gummischuhe von den Zweibeinern, die sie immer für die Reviergänge tragen…. Dann höre ich zumindest schon mal ein: Luca, lass das. Da dies die richtige Spur zu sein scheint, suche ich mir dann diese feinen Lederstiefelchen mit dem Pelzchen drin und bring sie zur Zweibeinfrau und die reagiert dann endlich mal engagiert, steht auf…. Und nimmt mir dieses schöne Spielzeug weg…

Mist, wieder ein Flopp.

Dann aber fällt mir etwas ganz Geniales ein: Ich gehe in die Familienschlafhöhle, hole ein dickes Kissen aus dem Zweibeinkörbchen, schleife es kraftvoll über die Terrasse und bringe es in den Garten und siehe da: Juhuuu, endlich spielt die Zweibeinfrau mit mir!

Das Spiel heißt: Fang den LUCA und kann ganz schön lange gehen, denn ich bin schnell, der Garten groß und Frauchen will dies Kissen wirklich unbedingt wieder haben…. Erst macht sie beim Rumgerenne so eine Art ungehaltene Knurrgeräusche, aber wenn ich dann mit dem Kissen kleine Bocksprünge mache und es um mich herumschleudere und all so was, dann muss sie lachen und die Welt ist auch in dem Fall wieder zurecht gerückt: Ich hatte mein Spiel und Frauchen einen Grund aus diesem sicher langweiligen Papierstapel aufzusehen und ein bisschen Bewegung und Freude zu bekommen.

Dem Zweibeinmann kann ich die größte Freude machen, wenn ich beim Fahrradfahren immer brav zu ihm komme, wenn er mich ruft. Z.B., wenn ein anderer Hund kommt oder andere Zweibeiner, ein Auto, ein Traktor oder sonst was. Aber das mache ich doch gerne, denn unter uns gesagt: Im Grunde meines Herzens bin ich doch auch ein kleiner Schisshase und mir ist es gerade recht, wenn der Zweibeinmann ein wenig auf mich aufpasst, damit mir nix passiert.

Ein wenig schwieriger war es für mich zu begreifen, dass ich auch dann kommen soll, wenn eines dieser vorwitzigen eben hier sehr üblichen anderen Felltiere aufspringt und wegläuft. Da juckt´s mich schon ein wenig in den Pfoten und den Eckzähnen….
Aber der Zweibeinmann ist so überzeugt davon, dass ich ein braaaaver LUCA bin, dass ich ihm den Gefallen tue und auch dann lieber - anstatt kleine Jagdausflüge zu unternehmen - einfach mit ihm auf Strecke bleibe.

Ihr seht, es läuft hier nicht gerade schlecht für mich! Und das mit MALA, der kleinen Planschkuh, das krieg ich auch noch hin!!! Jawohl, da habe ich mittlerweile doch auch einen gewissen sportlichen (Ihr wisst ja, dass Schäfis leistungsorientierte Sporthunde sind, hihihi…) Ehrgeiz:

Ihr werdet schon sehen,

verspricht Euch

der LUCA

  

Das ist meine Freundin GINA, die mich freundlich anlacht!

 




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