Gebt Tierheimhunden ein Zuhause

Das wirkliche Leben beginnt…


Eines Tages war es dann nämlich wieder so weit. Durchs Fenster sah ich, dass zwei Zweibeiner auf den Hof kamen und mit dem Chef vom Rudel sprachen. Bald kam dann einer der anderen Tierheim-Hunde dazu. Auch ein Schäfijunge, das habe ich gleich gesehen. Der konnte sich aber gut benehmen, sagte artig Guten Tag, nahm ganz freundlich Häppchen aus der Hand und spielte höflich Bällchen mit den fremden Zweibeinern.

Ach, dachte ich… schon wieder so einer der wahrscheinlich auf dem Weg nach Hause ist. Die Zweibeiner sprachen ganz ruhig mit dem, streichelten ihn ein bisschen und lachten mit dem Chef vom Rudel. Tja, alles wie immer.

Bis ich auf einmal dann, nach draußen gerufen wurde. Hei, die beiden Zweibeiner wollten mich kennen lernen!!! Fantastisch und aufregend und vor lauter Aufregung wurde mir bald schwindelig von der Schwanzjagerei, die jetzt ganz dringend dran war. Prima, dass da Leute sind, aber wo ist mein Schwanz! Und so drehte und drehte und drehte ich mich im Hof. Der andere Schäfijunge und die versammelten Zweibeiner gucken mir erstaunt zu.

Dann meinten die, dass sie mal mit uns beiden Schäfijungs ausgehen wollten und nachdem es ein bisschen gedauert hat, bis die Leine an meinem Halsband war, ging es los. Aber nun bitte in Windeseile, denn wenn schon raus, dann schnell. Und wenn`s nicht schnell genug ist, dann drehen, an der Leine hochhüpfen, bellen und schnappen… irgendetwas wird schon dabei sein, was den Zweibeinern gefällt. Naja, der Zweibeinfrau gefiel das Alles wohl gar nicht so gut und kaum hatten wir ein kleines Stück weg vom Hof geschafft, nahm mich der Zweibeinmann. Auch gut, Hauptsache wir gehen weiter, weiter, weiter… und auch dabei kann ich mich prima drehen, drehen, drehen…

So ganz lange hat der Ausflug dann leider doch nicht gedauert und ziemlich bald, waren wir wieder auf dem Hof. Die Zweibeiner waren irgendwie außer Puste und ich drehte und drehte und drehte mich. Ob aus Freude über die Abwechslung oder aus Stress, weiß ich gar nicht so genau.

Ziemlich abrupt waren dann die Zweibeiner verschwunden und ich wurde zurück in meine Höhle gebracht. Und alles war so wie immer.

Das sich mein Leben bald grundlegend ändern würde, dass war irgendwie gar nicht zu vermuten.

Und doch…

In den nächsten Tagen tauchten diese Zweibeiner immer wieder auf. Versuchten mit mir zu spielen, gingen mit mir aus, sprachen mit mir, streichelten mich… schöööön, aber viel zu bald verschwanden sie einfach wieder.

Und eines Tages brachten sie noch zwei Schäfidamen mit. Die waren wirklich merkwürdig. Kein bisschen aufgeregt, völlig entspannt. Sie sagten mir kurz guten Tag und dann liefen sie beim Spazierengehen einfach hinter den Zweibeinern (und mir) hinterher????
Was war das denn jetzt??? Eigentlich dachte ich doch, die beiden Zweibeiner wären beim Spazierengehen für mich da??? Zumindest war es doch die letzten Male immer so gewesen.

Und… als ich mal kurz versuchte den beiden Damen klar zu machen, dass das jetzt gerade mal meine Zweibeiner sind, blafften nicht nur die mich an, sondern die –eigentlich sehr netten – Zweibeiner auch.

Wieder doof gelaufen. So ein bisschen hatte ich gehofft, dass ich den beiden trotzt meiner originellen Verhaltensweisen gefallen würde, denn bisher hatten sie nie mit mir geschimpft. Und jetzt das! So ein Mist! Da ist mal wieder was echt daneben gegangen. Und das immer mir! Die Zweibeiner verschwanden, nahmen ihre Fellnasenweibchen mit und ich kreiselte mich zurück in meine Höhle.

Dann passierte ein paar Tage nix. Und so langsam wurde es mir in dieser Hundehöhle echt zu blöd. Alles nervte – vor allem die anderen Hunde und ich fing ein bisschen an zu stänkern. Mal mit dem einen, mal mit dem anderen, mal mehr, mal weniger. Der Chef des Rudels war da gar nicht glücklich drüber, aber was sollte er machen, er war ja nicht so oft da.

Und doch geschah es, dass die beiden Spaziergehzweibeiner scheinbar endlose Zeit später wiederkamen. Ich hörte es schon an dieser mobilen Kutsche, dass sie es waren. Und was war ich aufgeregt: sie sind wieder da, sie sind wieder da, rief ich ganz laut und aufgewühlt. Die Leine, die blöde Leine, was soll die schon wieder… ich komm doch mit, ich komm doch mit und schwups saß ich in der Zweibeinkutscher und ich konnte es kaum erwarten, dass es losging.

Auf der Fahrt war ich dann ganz mucksmäuschenstill. Nicht dass die sich das noch anders überlegen und umkehren, um mich zurückzubringen.

Als die rollende Hundetransportbox dann hielt, war auch ich kaum zu halten. Hinein in den Garten, hinein ins Haus und hoppla, die beiden Schäfimädchen sind auch da. Ist doch egal, hier gab es soviel zu erkunden und ich fegte wie ein Derwisch durch alle Räume, über die Möbel, durch den Garten und wieder zurück. Zwischendrin kreiselte ich wie dolle und sprang wild jiffelnd an den Zweibeiner hoch.

Ich tat wirklich Alles, um mein volles Programm zu zeigen und offensichtlich waren sowohl die Zweibeiner, als auch die beiden Schäfidamen echt beeindruckt, von all der Energie, die ich ins Revier brachte.

Die beiden Fellnasenweibchen zogen sich in ihre Körbchen zurück und schauten nur skeptisch. Die Zweibeiner sprachen ganz ruhig mit mir und bewegten sich kaum. Und allmählich konnte ich es dann auch etwas langsamer angehen lassen.

Nachdem ich mich dann eine Weile ausgeruht und gesammelt hatte, gingen wir alle auf einen langen Revierspaziergang. Hund, war das wunderschön. Nicht nur mal so kurz den Weg rauf und runter, sondern das war schon eine richtig lange Strecke. Und interessante Wege gab es da und Wald und Wieden und Felder und ab und zu mal ein Haus indem auch andere Fellnasen wohnten. Und so große Huffelltiere standen auch ab und zu rum… Unglaublich, was die Welt hier zu bieten hatte.

Als wir dann wieder in der Familienhöhle ankamen, gab es ein Zimmer für mich alleine indem das Futter überall versteckt war. Das war vielleicht klasse. Egal wo ich meine große Nase hinsteckte, es roch nach leckeren Dingen und wenn ich dann ein wenig rumstöberte und auch mal die Pfoten zu Hilfe nahm, kam ein herzhaftes Futterbröckchen nach dem anderen zum Vorschein und richtiges Fleisch und knackige Knochen. Ich konnte es kaum glauben, es war wie im Schlaraffenland.

Als ich dann fertig mit Essen war, war es draußen schon dunkel geworden und die Zweibeiner und die beiden Schäfidamen hatten sich anscheinend auf ihre Ausruhplätze verzogen. Da legte ich mich doch dann auch dazu und bin wohl auch ganz schnell eingeschlafen, denn ich träumte ich wäre nun auch endlich zu Hause.

Wie es dann weiterging erzähl ich gerne später, jetzt muss ich mich erstmal ausruhen!

 

der LUCA
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