Gebt Tierheimhunden ein Zuhause

Neues von MALA

Hallo, liebe Leute, vielleicht gibt es ja interessierte Zweibeiner, die sich fragen, wie es mit mir denn in den letzten Monaten wohl weitergegangen ist. Da gebe ich doch gerne Auskunft!

Die letzten Monate waren eine Zeit des Entdeckens und Lernens für alle, die nun meine Familie sind. Gut dafür ist, dass jeder Tag so ziemlich den genau gleichen Ablauf hat, das macht das Leben für mich einschätzbarer, durchschaubarer und gibt mir Sicherheit. Mittlerweile bestehe ich auch nachdrücklich auf diesen Ablauf, falls mal irgendwer etwas vergisst.

Das mit dem Wecken von Frauchen, das überlasse ich Gina, die weiß einfach besser Bescheid darüber, wie sie sich ans Bett pirschen kann und Frauchen ins Ohr pusten muss, um diese sanft zu wecken. Aber kaum regt sich da was, kommt schon meine erste Aufgabe: Mit stürmischem Schwanzgewedel schließe ich mich dem Weckkomitee an, damit auch klar wird, dass Gina quasi in meinem Auftrag handelt. Eine erste Knuddelrunde mit Gina, Frauchen und mir ist dann gewissermaßen die Belohnung. Das ist wirklich ein wunderbarer Start in den Tag, wenn Frauchen mich mit 10 Fingern am Hinterteil ganz feste kratzt und Gina mir gleichzeitig in die Vorderbeine kneift, dann schlängele und rekele ich mich nach allen Seiten, um auf keinen Fall hier an irgendeiner Stelle etwas zu verpassen.

Wenn dann die Terrassentür aufgemacht wird, pese ich mit Gina kreuz und quer durch den Garten, erledige da die anstehenden Geschäfte, die, wie ich sicher weiß, nur nach draußen und nicht (mehr) in die Wohnung gehören, und mache zusammen mit meiner großen Freundin einen ersten Inspektionsrundgang, um die Spuren der Nacht, die die Katzen, Hasen, Igel, Eichhörnchen und Rehe dort hinterlassen haben, genauestens zu orten und zu untersuchen. Manchmal reicht die Zeit auch noch zur Kontrolle des ehemaligen Hühnerhauses. Wenn wir viel Glück haben, können Gina und ich hier ab und zu noch mal ein unvorsichtiges Mäuschen aufstöbern. Dann aber schnell zurück ins Haus, denn das erste Highlight des Tages wartet schon: das kleine Frühstück. Das ist eine leider viel zu sparsam bemessene Menge von Trockenfutter (kann ich übrigens auch mühelos ohne Zähne verspeisen), die außerdem auch noch häufig in der Küche oder in einer Pappschachtel versteckt ist, sodass ich diese erst noch suchen muss. Komisch eigentlich, denn normalerweise ist Frauchen gar nicht so kompliziert, dass das nicht einfacher geht.

Irgendwie ist dann schon klar, dass wir von Frauchen nichts mehr zu erwarten haben. Sie wirkt dann ganz abgelenkt, geht ohne uns im Bad mit viel Wasser rumplanschen, riecht bald ziemlich komisch nach irgendwelchen chemischen Dingen und zieht sich eine fremdartige Hülle über und verabschiedet sich von uns.

 Also ist es Zeit, den Vierten in unserem Bunde mal in Bewegung zu bringen. Am besten klappt das, wenn Gina und ich vor dem Bett temperamentvolle Hundetänzchen aufführen und so seine Aufmerksamkeit bekommen. Es ist auch ganz gut, wenn er da ein Auge auf uns hat, denn manchmal schwappen die Wogen doch so hoch, dass ich zu stürmisch und Gina ein wenig ungnädig wird und Herrchen ab und zu mal: „Na-na-na“ sagen muss, damit sich die erhitzten Gemüter wieder beruhigen. Wenn Frauchen dann außer Haus und Herrchen aus dem Bett ist, ist für uns Hunde erstmal abwarten und das erste Entspannungspäuschen angesagt.

Denn nun dauert es schon eine kleine Weile, bis sich hier wieder etwas Hundemäßiges tut. Wenn es gar zu lange dauert, beschwere ich mich schon mal, durch stupsen, maulen oder bellen bei Herrchen.

Das mit dem „Maulen“, muss ich vielleicht erklären. In meiner Kindheit und Jugend habe ich ja, wie alle (die meine Geschichte kennen) wissen, wenig bis gar nichts lernen dürfen. In Einzelhaft in einem dunklen und engen Verschlag zu liegen, bietet nun mal auch für das begabteste Hundemädchen keine Möglichkeiten etwas zu lernen. Die anderen Hunde, die in diesem Stall eingesperrt waren, habe ich zwar nicht gesehen, aber gehört. Ein Teil von uns unglücklichen Insassen waren Huskys und von denen habe ich mir das Jodeln abgehört. So spreche ich jetzt gebrochen „husky“ mit starkem Schäferhundakzent. Hundemenschen können sich sicher vorstellen, wie das die Kommunikation mit meinen Menschen belebt.

Zurück zum Tag: nun als nächstes kommt ein langer Feld-Wald-und-Wiesenspaziergang dran. Bei dem darf ich mittlerweile oft ohne Leine laufen, weil ich nämlich so wunderbar hören kann und ganz zuverlässig immer komme, wenn ich gerufen werde. Auch andere Pelztiere, die wir unterwegs treffen, können mich kaum ablenken. Da verstehe ich – ehrlich gesagt – Gina überhaupt nicht, die bei jedem Reh, Hasen oder noch schlimmer fremdem Hund (was selten vorkommt) ein Riesentheater macht und immer völlig aufgeregt wird. Warum bloß??? Ich habe die Erfahrung gemacht, die meisten Dinge erledigen sich durch ignorieren. Aufpassen auf uns, damit uns nichts passiert, tun sowieso Frauchen oder Herrchen, dafür sind sie ja in unsere Hundewelt gekommen.

 Apropos ignorieren, die Geschichte mit Sitz und erhobenen Zeigefinger habe ich auch lange ignoriert. Ich habe einfach nicht glauben können, dass vor allem das Frauchen (welches überhaupt manchmal strenger ist) wirklich und wahrhaftig meint, alleine deswegen sollte ich mich auf meinen Hundepopo setzen. Aber nach vielen Wochen und nachdem ich dies wirklich hunderte von Malen einfach ignoriert habe, wurde es mir dann doch zu dumm und jetzt setze ich mich halt hin, wenn sie „Sitz“ sagt und so komisch den Zeigefinger streckt. Warum das jetzt irgendwie wichtig sein könnte, weiß ich zwar auch nicht, aber zumindest springt immer mal wieder ein Leckerchen dabei raus….

Ach ja, da war und ist ja noch die Geschichte mit meinem Dauerhunger. Das hat sich jetzt nun überhaupt nicht verändert, obwohl ich auch selbst gespürt habe, dass meine Mitte mehr und mehr zur Rolle wurde. Es hat auch ein wenig gedauert bis Frauchen endlich auf den Trichter kam, dass ich ein absoluter Obst-Gemüse-Reis-Fan und mit einer so gemischten Speiseplatte durchaus einverstanden bin. Vor allem, wenn dann auch irgendwo ein Stück Fleisch dazwischen liegt. Dass ich – schlau und geschickt, wie ich bin – gelernt hatte, den Komposteimer zu öffnen (ein Pfotentritt und schnell das Schnäuzchen unter den Deckel gesteckt) hat mir nur vorübergehend geholfen, denn kaum hatte dies zwei- bis dreimal geklappt, wurde der Eimer verkehrt herum aufgestellt und schon war Schluss mit der Selbstbedienung. Da ist der Garten schon ergiebiger. Was waren das für herrliche Zeiten, als im Herbst die Fallobstzeit war und ich genüsslich zwischen Pflaumen, Äpfeln und Birnen aussuchen konnte. Da habe ich viele Stunden damit verbracht, mich durch dieses Überangebot von verschiedenen Obstsorten zu knabbern. Leider ist mir das oft so auf den Magen geschlagen, dass ich gar nicht mehr wusste, wohin mit meinen Unmengen von Verdauungsprodukten. Ich schätze mal, dass 100 Gramm (leicht vergorenes Obst) ca. 2 Kilo Hundehäufchen produzieren, die leider so etwa im Vierstunden-Takt raus wollen. Das war vor allem nachts ein kleines Problem, weil ich da ja nicht mal eben nach draußen konnte. Toll ist, wie ich das „Ich-muss-auch-mal-nachts-ein-Häufchen-Problem“ endlich gelöst habe: Ich wecke Gina, Gina weckt Frauchen, die macht die Terrassentür auf, ich wetze raus, erledige die Dinge, die anstehen und komme wieder rein und kann so schnurstracks in meinem Körbchen verschwinden und erleichtert weiter schlummern. Und Frauchen muss nur darauf warten und dann noch die Terrassentür bis zum nächsten Mal wieder zumachen. Macht sie aber anscheinend gerne, zumindest offenbar lieber, als morgens als erstes eine Fußbodengrundreinigung vorzunehmen.

Irgendwann wurden dann ärgerliche Zäune im Garten gezogen, sodass mir der Zugang zur Obstwiese deutlich erschwert war. Ich nahm es aber sportlich und habe viel Ehrgeiz, Zeit und Geschick investiert, diese Einzäunung wegzuräumen, zu untergraben, zu umgehen oder darin Schlupflöcher zu finden. Bei dieser Gelegenheit habe ich mir eine wunderbare Hundehöhle von über 2 m Länge tief in die Erde gegraben. Sie hat mich richtungsmäßig zwar nicht zum Obst geführt, aber ich habe mir dort ein prima Versteck geschaffen.

Eine weitere unerwartete Gabe dieses wunderbaren Erlebnisparks waren üppige Horste von Tulpenzwiebeln, die Frauchen im Herbst tagelang überall in verschiedenen extra dafür angelegten Erdhügeln verteilt hatte. Das war vielleicht eine Arbeit, diese Stück für Stück aufzuspüren und auszubuddeln. Meist schmeckten sie dann aber ganz frisch und knackig. Frauchen guckte allerdings stets ein wenig pikiert und wurde gegen ihre Gewohnheiten doch etwas aufgeregt, als ich mich in dieser Phase zum „Tulpenmädchen“ spezialisiert hatte. Besser war es schon, mich an diese Schnüffel-Grab-und-Knack-Arbeiten zu machen, wenn sie nicht gerade in Sichtweite war. Da hatte ich dann einfach mehr Ruhe dazu und sie musste sich auch nicht so echauffieren.

Überhaupt ist dieser Garten für mich eine echte Bereicherung. So habe ich hier auch gelernt, was echte Hundespiele sind. Auf dem Tierschutzhof in Warpe, dem Biohof Geißblatt, hatte ich mir das ja hin und wieder aus sicherer Entfernung mal angeschaut, wie andere Hunde so miteinander umgehen. Nun habe ich das "echte" Hundespiel mit Gina geübt und stelle fest, es ist ganz einfach: Kneif ich Dich ins Bein – kneifst Du mich ins Bein; dann zieh ich Dich am Kragen – dann ziehst Du mich am Kragen - wir knurren ganz gefährlich und rasen eine Runde durch den Garten und fangen wieder von vorne an.

Und der Garten ist ganz eindeutig Hundeland und wir haben hier das Sagen!!! Alles andere, was vier Beine hat, muss entweder auf den Baum, wie die Katzen oder Eichhörnchen oder aber sehen, dass es auf die andere Seite des Zaunes kommt. Da achten Gina und ich sehr darauf! Im Zweifelsfall kann ich das auch alleine besorgen. Ich habe sogar schon ganz auf mich gestellt und selbständig (Gina lag in der Stube auf der Couch und machte gerade ein Nickerchen, Frauchen und Herrchen waren außer Sichtweite im Stall) zwei fremde Männer, die sich unserem Garten näherten, beherzt verbellt!!! Und dann habe ich mich schnell auf die Suche nach meiner Einheit gemacht, um Bescheid zu geben. Alle sind dann gemeinsam mit mir zur Gartenpforte gegangen und dann durften die beiden Männer – natürlich sozusagen unter meiner Aufsicht – den Garten betreten. Und ich wurde gelobt und geknuddelt. Das ist mir doch auch ganz wichtig und wenn das mal vergessen wird und ich geschmust werden will, streiche ich wie eine Katze mit dem ganzen Körper um die Menschenbeine rum und reibe meinen Kopf daran, dass klappt 1000% immer!!!

Außerdem finde ich mittlerweile gebürstet werden ganz toll und drängele mich immer dazwischen, wenn Gina dran ist, die es total und überhaupt nicht leiden kann, gebürstet zu werden. Demnach läuft Gina rum, wie ein Flokati mit Motten und ich sehe gestylt aus, wie ein Model fürs Fotoshooting. Ach ja, jetzt kam ich ins Plaudern und eigentlich waren wir ja bei meinem Tagesablauf und was nach dem morgendlichen Ausgehen den Tag so schöner macht.

Vor allem und für mich schon der Dreh- und Angelpunkt des Tages: Das große Frühstück. Das ist mir so wichtig, dass ich mich schon auf dem Rückweg des Spaziergangs gar nicht mehr auf Mauselöcher oder sonstige interessante Dinge einlassen kann, sondern Gina und Herrchen ständig und nachdrücklich zur Eile antreiben muss. Da kommt es schon mal zu Unstimmigkeiten. Gina eilt sich prinzipiell nicht so gerne – sie muss halt auch immer an ihre Hüften denken und Herrchen wird auch manchmal recht brummig, wenn ich gar nicht mehr zuhören und warten kann, weil der Gedanke ans Essen mit Macht nach Hause zieht. Aber schließlich ist es dann soweit und ein geschmacklich ganz prächtiger, mengenmäßig natürlich viel zu kleiner Brunch wartet auf mich.

Auch Herrchen bereitet für sich jetzt ein Frühstück und sicherheitshalber bleibe ich ganz fest an seiner Seite und lass ihn dabei nicht aus den Augen. Manchmal fällt nämlich ein Häppchen für mich ab. Diese müssen nun ja anständig verdaut werden. Da sind Gina und ich uns wieder völlig einig. Neben Essen und Spazierengehen ist das regelmäßige und ausgiebige Schläfchen nämlich eine meiner Lieblings-beschäftigungen. Ganz wohlig und behaglich ist mir dann zumute. Satt, zufrieden und im Kreise meiner Lieben kann ich dann ganz entspannt schläfern und genießen, dass mein Hundeleben jetzt so schön ist.

Ganz selten, wenn z. B. jemand sich zu rasch bewegt, wenn es laut scheppert oder irgendwelche Dinge runterfallen, dann klapp ich schnell meine Öhrchen weg und versuche möglichst viel Abstand zwischen mich und dem Ort des Geschehens zu bekommen, verschwinde meist in meinem Körbchen und warte ab, bis eine eventuelle Gefahr auf jeden Fall auszuschließen ist. Irgendwie war da wohl mal was?

Nach unserem Entspannungsschlaf ist für Gina und mich meist ein längerer Gartenaufenthalt im Programm. Zum Glück ist das Grundstück groß, teilweise verwildert und verwinkelt, sodass sich doch täglich neue interessante Dinge auffinden lassen. Ganz nett finde ich auch die Vogelfutterstellen, die immer mal ein Bröckchen Rindertalg, getrocknetes Obst und Körner hergeben, wenn ich nur sorgfältig genug darunter rumsuche. Dann müssen Gina und ich uns wieder auf die Suche nach Herrchen begeben, denn unser nachmittäglicher Spaziergang ist nun der nächste Programmpunkt. Und nun geht es in eine andere Himmelsrichtung als morgens, denn als Hund muss man ja immer die ganze Umgebung unter Kontrolle halten.

Zu Hause wartet manchmal dann schon Frauchen auf uns und wenn ich ganz genau hinhöre, erzählt Herrchen dann immer, wie brav ich wieder war und was für neckische Dinge mir über Tag so eingefallen sind. Dann werde ich gelobt und gestreichelt, manchmal gebürstet und wir alle sind ganz glücklich miteinander. Gina ist übrigens kein bisschen eifersüchtig und wartet einfach ganz gelassen darauf, dass sie ihren Teil von Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten bekommt. Sie bedankt sich dafür ganz artig, indem sie Frauchen oder Herrchen liebevoll anschaut und alle Hautstellen, die sie erwischen kann, ableckt.

Natürlich gibt es auch ein Abendessen und danach gehe ich meist alleine noch ein wenig im Garten spazieren, denn Gina hat für sich schon Feierabend gemacht. Als ältere Dame braucht sie einfach mehr Schlaf, obwohl ich das schon schade finde. Manchmal gelingt es mir, sie noch mal zu einem Hundetänzchen zu animieren, aber meist reagiert sie eher grell-genervt, wenn ich um diese Zeit noch mit nett gemeinten Spielanforderungen ankomme. O.k., naja…. Trotzdem ist Gina für mich einfach die allerwichtigste Freundin in meiner Welt, denn wenn sie nicht wäre, hätte ich bestimmt nicht so mühelos gelernt, wie ein Hundeleben funktioniert, wenn es gut läuft. So, das wäre es für heute, aber wenn jemand noch etwas ganz genau wissen möchte, kann er sich ja einfach bei mir melden. Den Telefondienst und Terminplanung habe ich an Frauchen und Herrchen abgegeben, denn ich habe einfach immer viel zu viel zu tun, um mich auch noch darum zu kümmern.

So ein Tag macht echt müde:

Eure MALA