Gebt Tierheimhunden ein Zuhause

Mala erzählt (15): Schneevergnügen

Leute, Leute, Leute,

ich kann Euch sagen…. Es ist völlig unglaublich aber: es schneit und schneit und schneit hier bei uns im Nord-Revier. Es ist nicht so wie sonst, wo ich durch den Schnee höchstens mal eisig-kalte Matschepfoten und dekorative Glitzersternchen auf meinem Pelz bekomme.

Nein, so was habe ich noch nie erlebt. Schneeberge wohin ich auch die Füßchen setzen möchte. Das geht schon morgens los, wenn ich für die Morgengeschäfte in den Garten möchte. Die Terrassentür ist da wo sie immer war, aber das ist schon alles. Frauchen macht die Tür auf und dann…. Als ob einer Wagenladungen von Federkissen aufgerissen und in unserem Revier verteilt hätte. Ein paar Büsche zeigen noch so ungefähr die Richtung an, wo bis vor ein paar Tagen noch die 2 Stufen zum Garten waren und der Pfad rund ums Haus und hin zu den Ställen ist einfach verschwunden. Fast überall geht mir das kalte Zeugs bis zum Bauch und wenn ich versuche einen schneefreieren Weg unter den Büschen , wo`s schon noch etwas besser ist, zu finden, fällt mir der Schneekrams von oben schaufelweise auf das Fell.

Insgesamt schätze ich diesen Tiefschnee nicht besonders, wie man vielleicht auch auf diesem Bild hier erkennen kann:

Wie bitte soll dann ein Mädchen Pipi machen. Immer, wenn ich mich hinhocken will, bekomme ich einen eiskalten Klatsch an den Bauch, das kann doch nicht gesund sein? Und ganz schlimm ist es beim Häufchen machen, als ob ich meinen Popo in ein Gefrierkissen drücken würde. Da kann es einem schon vergehen. Gina sieht das genauso, nur Woddy furcht mit seinem Männerdings unerschrocken durch den Schnee und sieht da mit dem Pipimachen überhaupt kein Problem. Eher im Gegenteil. Da ja jetzt sozusagen stündlich hier alles neu ist, ist er obereifrig dabei an jedem Busch und Baum Nachrichten zu schreiben. Jungskram halt.

In den ersten Schneetagen humpelte er allerdings manchmal so merkwürdig und wollte manchmal gar nicht mehr so recht vorwärts gehen. Frauchen und Herrchen rätselten rum, ob er denn nun vorne oder hinten oder recht oder links was hätte oder ob er die Kälte wohl generell nicht vertragen könnte oder, oder, oder.
Die Erklärung war dann ganz einfach: dieser langhaarige Geselle hat auch zwischen seinen Pfotenballen viele, viele kleine Haarbüschel, in denen sich dann der Schnee zu kleinen Eiskügelchen dreht.
Na, wenn jedes Humpeln so einfach zu beheben wäre, dachten sich Herrchen und Frauchen und wollten ihm die Haarbüschel da einfach rausschneiden.
Das wollte Woody aber nun auf gar keinen Fall! Frauchen durfte nicht an seinen Pfoten rumschneiden, Herrchen durfte nicht an seinen Pfoten rumschneiden, auch beide gemeinsam kamen nicht so recht weiter mit dem Thema.
Und Woodstock ist ja echt ein gemütlicher Junge, aber wenn er sich mal was in den Kopf gesetzt hat, da kommt keiner so schnell gegen an.

Tagelang gab es lange abendliche Gespräche zwischen Woodstock und den Zweibeinern über diese Haarbüschel. Manchmal durfte mal ein Millimeter davon entfernt werden, aber dann auch nur unter der Missachtung aller woodischen Protestsignale. Aber entweder sind letztlich strategisch wichtigen Haarbüschel doch entfernt worden oder Woodstock hat sich an die Unbequemlichkeit an den Pfoten gewöhnt. Irgendwann wurde dies Thema einfach nicht mehr strapaziert und Woodstock läuft nun quietschvergnügt mit oder ohne Eiskügelchen durch die Schneemassen.

Für Ginas alte Knochen scheint das Wetter und der Schnee so eine Art Kältetherapie zu sein. Sie wird noch mal richtig eifrig und albern, wenn es zu Reviergängen geht. Und jede Abkürzung wird von ihr nun standhaft ignoriert, ganz im Gegenteil: weiter immer weiter sollten die Spaziergehrunden ihrer Meinung nach sein. Und zwischendurch läuft sie immer zwischen Herrchen (der uns meist mit Woodstock voraus ist) und Frauchen, die ja auch nicht mehr die Jüngste ist und etwas gebremst, da durch den Schnee rumstapft, hin-und-her und macht auch schon mal eine kleine Stippvisite recht oder links rein ins Gebüsch, wenn sie eine Spur dorthin verlockt.

Ich versuche immer ganz nah beim Frauchen und damit bei der Kekstüte zu bleiben, aber manchmal steuere ich unabsichtlich in so eine Schneewehe und stecke fest, komm vorwärts nicht weiter und muss dann rückwärts ausparken, damit ich meiner Meute hinter her komm.
Besonders nett finde ich es im Moment allerdings, dass überall am Wegesrand Hundeeis verteilt ist. Zum Beispiel mit Reh-, Hasen- und Pferdegeschmack. Ganz prima!!! Manchmal muss ich, um an den leckeren Snack zu kommen, mit meinem Näschen erst die Schneekissen zur Seite schaufeln, weil die sich darunter versteckt haben. Aber dann….. mmmmmh, das ist schon ganz was Besonderes: Leckerlie zum Lutschen.

Auch Woodstock ist immer ganz neugierig, was sich denn nun da unter den Schneebergen so tut und springt immer mittenrein in die dicksten Schneehaufen. Prustend und schnaufend gräbt er sich dann Löcher in die Schneedecke, um vielleicht darunter ein paar Kleinfelltiere in ihrem Winterschlaf aufzustöbern.
Erreicht hat er in der Beziehung in den letzten Tagen rein gar nix – aber er bleibt unverdrossen optimistisch, dass seine Grabearbeiten irgendwann mal von dem Erfolg eines kleinen Frisch-Fleischimbiss gekrönt sein werden. Und so buddelt er beharrlich und stur, wenn er meint, dass es sich lohnen könnte. Egal mit wie viel Grad Minus der kalte Wind über die Felder fegt; egal ob die Zweibeiner schon fast festgefroren sind; egal ob Gina und ich zum Weitergehen drängeln… So ist Woodstock nun mal, wat mut dat mut. Wie schon mal erwähnt: er sieht nicht nur dickfellig aus….

Manchmal ist das Frauchen und Herrchen einfach zu doof und sie machen sich von der Leine los und gehen einfach weiter. Gina und ich natürlich ganz brav und folgsam (und keksverwöhnt) mit. Erst tut Woodstock dann meist so, als ob er das gar nicht mitbekäme und wenn doch, als ob es ihm völlig gleichgültig wäre, dass wir ihm nicht mehr beim Buddeln zuschauen. Aber lang hält er das nie aus. Und dann rennt er los, als ob er sich gerade eben auch Gefangenschaft befreit hätte und nichts auf der Welt eiliger wäre, als eben zu uns zu kommen. Das freut die Zweibeiner dann immer ganz tüchtig und er wird sehr gelobt dafür.

Woodstock mit "Rehblick":

Manchmal darf er natürlich sowieso ohne Leine laufen, aber nur, wenn wirklich weit und breit gar kein Leichthuffelltier in Sicht ist. Dass die es nämlich gar nicht so toll finden, wenn er da mal eben „Guten Tag“, sagen möchte, hat der Spakken immer noch nicht kapiert. Gina und ich sind da ja natürlich schon lange von ab, uns auch nur irgendwie für diese Tiere zu interessieren. Wobei…., wenn Gina noch könnte, wie sie wollte, dann könnte sie wohl schon noch wollen… -glaube ich.

Und Woodstock bei Grabetätigkeiten:

So richtig in Wallung kommt Gina eigentlich nur, wenn andere und vor allem auch noch fremde Hunde in Sichtweite kommen. Sie ist und bleibt einfach ein Streithammel, da ändert wohl auch das Alter nix mehr dran.
Mir sind andere Hunde ja im Prinzip schnurz und Woodstock pöbelt manchmal aus Solidarität mit, hört aber sofort auf, wenn Herrchen oder Frauchen strenge Worte zu ihm sagen.
Bei Gina kommt es gar nicht drauf an, was man sagt oder was man macht, sie findet es einfach toll andere Hunde auszuschimpfen…..
Frauchen und Herrchen gehen da dann mittlerweile auch einfach immer weiter und nehmen sie mit, ob sie will oder nicht. Und irgendwie glaube ich, da ist sie auch ganz froh drum. Denn wenn sie sich wirklich noch mal auf ein Zahngemenge einlassen würde, wer weiß, ob sie es nicht zu sehr kränken würde, den Kürzeren zu ziehen. Denn ganz unter uns und nur, wenn ihr es nicht weitersagt: so wackelig, wie Gina manchmal auf der Hinterhand rumeiert, da würde vielleicht schon ein energischer Zwergpudel ausreichen, um sie aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Aber jetzt in diesen Tagen, indem hier alles so zugeschneit sind, dass für die rollenden Hundetransportboxen kein Weg zu befahren ist und kaum ein Zweibeiner weite Spaziergänge mit seinen Fellnasen macht, sind hier sowieso weit und breit keine Fremden im Revier und der ganze Schnee gehört uns ganz alleine.


Mit flockigen Grüßen von

Eurer MALA