Gebt Tierheimhunden ein Zuhause

MALA erzählt (12): Spaziergang mal anders

Hallo Leute,

das Spazierengehen mit uns Fellnasen ist eigentlich ganz simpel: Frauchen oder Herrchen kommen bei Woody an die Leine und wenn`s losgeht, laufen Gina und ich einfach hinterher.
Mal schneller, mal langsamer, mal mit Schuffel-Buddel-Päuschen mal ohne, ab und zu gibt es einen kurzen Stopp zum kleinen Keks-Picknick…

So sollte es eigentlich auch heute sein.
Aber schon der Start war irgendwie mit kleinen Hindernissen. Obwohl Herrchen ganz offensichtlich da war, kam er einfach nicht mit und Frauchen zog mit uns alleine los. Fanden wir alle blöd! Die Meute sollte wirklich zusammenbleiben, wenn`s irgendwie geht. Also begann unser Spaziergang erstmal eher zögerlich, Gina und ich schauten uns immer um, ob Herrchen wohl nachkommen würde, blieben auch mal stehen, liefen auch mal ein paar Schrittchen zurück, um ganz sicher zu gehen, dass wir ihn nicht verpasst haben und er vielleicht in die falsche Richtung geht….

Aber schließlich war klar, vorne bei Woodstock und Frauchen ist unsere Abteilung, da müssen wir hinterher.

Eine weitere Besonderheit war, dass unser ganzes Revier über Nacht mit diesem weißen kalten Zeugs vollgeschmissen worden ist. Auch das kommt äußerst selten vor und bringt erstmal nix als kalte Pfötchen. Auch die Schnuffelnäschen müssen sich erst an diese Frosttemperaturen gewöhnen und auch die Informationen, die so am Weg eingestreut sind, riechen völlig anders. Schon irgendwie interessant, aber ich persönlich habe es eigentlich lieber, wenn alles so ist, wie es immer ist.

Wir waren gerade ein paar hundert Meter in den Wald rein, da bekam Gina offenkundig die Witterung einer Infospur, setzte die Nase drauf und verschwand wie von einer Schnur gezogen immer weiter weg vom Waldweg in Richtung Unterholz.



Frauchen konnte es erst gar nicht glauben, weil Gina sonst höchstens mal einen kleinen Ausfallschritt ab vom Wegesrand macht, um dann sofort wieder auf den Weg zu kommen. Diesmal nicht! Elegant und elastisch wie eine 10jährige schnürte Gina eifrig immer auf der Spur lang und Frauchens Stimme wurde ganz laut und aufgeregt. Was Gina unter uns gesagt völlig egal ist, denn erstens ist sie sowieso fast taub und zweitens könnte sie schon, als sie noch gut hören konnte, schon schlecht hören (wenn ihr versteht, was ich meine).

Ich persönlich hasse es, wenn Frauchen oder Herrchen laut und maßregelnd rumschreien und auch in dieser Situation überlegte ich ernsthaft, einfach umzudrehen und wieder zurück nach Hause zu laufen.

Fast war ich schon in der Kehrtwendung, als Frauchens Stimme dann doch denn normalen flötend-lockenden Heiti-teiti-ton annahm und sie verführerisch mit der Kekstasche raschelte. Na also, warum nicht gleich so….

Langsam pirschte ich mich also zu Frauchen zurück, Gina war wohl inzwischen von unüberwindlichen Unterholz ausgebremst worden und stand auch wieder bei Frauchen und Woodstock hatte diese ganze Rumwarterei dick und wollte endlich weiter und zog an der Leine, weil hoppla, waren da nicht Leichthuffelltiere zu hören?

Also reingeschmissen ins Geschirr und alle Kilopond auf Zug gestellt, um hinterher zu kommen. Gina wird von Frauchen in letzter Sekunde noch am Geschirr gepackt, bevor sie losstürmen kann und kommt nun auch an die Leine.

Achherje, welche Aufregung! Dass ich mal wieder mit Abbruch der Beziehung und Heimkehr drohe, scheint im Moment keinen zu interessieren. Woodstock und Gina legen los, wie zwei Dieselturboloks, um Frauchen auf die Leichthuffelltierspur zu bringen.
Die bockelt, die blockiert und schmeißt sich ihrerseits in die Leinen und hält mit ungefähr genauso viel Kilos dagegen. Diese klassische Patt wird dadurch gelöst, dass sich Woody und Gina plötzlich gar nicht mehr so einig sind, wo die Spur, denn nun hinführt und so zieht die eine zur einen Seite und der andere zu anderen, die beiden tauschen die Seiten, die Leinen verheddern sich miteinander, Frauchen steht mittendrin und ich betrachte mir das alles in einem gehörigen Sicherheitsabstand doch sehr alarmiert und fluchtbereit.

Genau so schnell, wie dies Chaos entstanden ist, ist es dann plötzlich auch vorbei: die Leichtfellhuftiere sind definitiv und unerreichbar weg, die Leinen wieder sortiert und ich auch wieder mit meiner Nase an Frauchens Knie. Und fast könnte man meinen, dass wir heute doch noch zu einem normal-entspannten Spaziergang kommen.

Einige Minuten geht auch alles bestens. Ich höre, wie Frauchen gerade darüber nachdenkt, Gina nun auch wieder abzuleinen, als direkt vor uns auf dem Waldweg zwei junge Leichtfellhuftiere stehen und uns interessiert entgegen blicken. Die kenne ich, eins ist braun, ein fast schwarz und die beiden sind, seitdem ihre Mama verunglückt ist, immer gemeinsam unterwegs.

Im Grunde genommen sind wir für die beiden echte Kinderbekanntschaften, denn ihre Mama hat für sie in diesem Frühjahr die Kinderstube in unserem Gemüsegarten verlegt und sie dort großgezogen. Daher sind wir aneinander von monatelangen fast täglichen Begegnungen gewöhnt. Allerdings war da sonst immer noch ein Zaun dazwischen…

Woody und Gina wollen unbedingt hin zu den Zwillingen und die stehen da rum um beratschlagen lange und ausführlich offenbar darüber, ob sie nun weiter stehen bleiben oder tiefer in den Wald hinein laufen oder doch lieber in Richtung Feld, ob sie zusammen gehen sollten oder sich doch besser trennen…
Völlig unentschlossen tippeln sie mal nach hier, mal nach da, aber bleiben dabei immer schön auf dem Weg, damit wir auch alle das ganz genau mitkriegen.

Woody und Gina würden den Beiden gerne Entscheidungshilfe geben, jodeln fröhliche Jagdgesänge und das ganz laut und vernehmlich. Und vor lauter Aufregung und Getöse, fangen sie sich auch noch an miteinander zu verzanken.
Frauchen wirkt jetzt endgültig gestresst und mir stinkt dieser blöde Ausflug jetzt definitiv und ich will nur noch nach Hause.

Aber auch dieser Heck-Meck ist einmal vorbei, die Leichthuffelltiere haben sich auf einen Weg geeinigt und verschwinden in den tiefen Wald. Woodstock und Gina haben sich beruhigt, Frauchen atmet wieder normal und für alle gibt jetzt erst mal eine Runde Beruhigungskekse, so richtig mit Sitzmachen und so.

Und zum Glück ist der Rest des Weges dann ohne besondere Vorkommnisse und ich verzichte diesmal auch völlig auf kleine Abstecher zu dem einen oder anderen Snack am Wegesrand, denn ich glaube Frauchen wäre gerade heute da nicht so gut drauf zu sprechen.

Schön war`s, als wir wieder Zuhause waren, findet Eure

MALA

P.S: Woodstock fand den Ausflug echt klasse: