Gebt Tierheimhunden ein Zuhause

Woodstock: Also ich will mal sagen….

Anscheinend ist das hier ja so, dass jeder was sagen darf und da will ich mich doch gerne anschließen.

 

MALA hat ja schon ein wenig über mich aus ihrer Sicht berichtet, aber einiges möchte ich dann doch mal klarstellen.

 

Eigentlich bin ich ja noch gar nicht lange hier in diesem Rudel. Was vorher war, davon kann ich kaum berichten, obwohl ich ja in den besten Hundejahren bin und schon ein längeres Hundeleben hinter mir habe. Ich wurde einfach als „Fundhund“ im Tierheim abgegeben.

 

Zunächst war da wohl nur eine zentimeterdicke verfilzte Pelztonne zu erkennen und zu fühlen, dass darunter viele Knochen mit Haut drumherum waren. Auch ja und eine dicke Schnauze mit zwei braunen, hoffnungsvollen Augen, waren wohl auch zu sehen. Denn meine Hoffnung war, dass es für mich schlimmer als vorher im Tierheim ja wohl kaum sein konnte.

 

Vorher da waren Futter und Wasser wohl eher unregelmäßige Glücksfälle. Viel draußen herumlaufen konnte ich bis dahin wahrscheinlich auch nicht, denn meine Muskeln waren völlig schlaff. Und ob ich überhaupt jemals an einer Leine geführt wurde??? Ich konnte mich wirklich nicht daran erinnern.

 

Aber es ist wie es ist und die Vergangenheit kann man nun mal nicht ändern und so saß ich im Tierheim und hoffte auf bessere Zeiten.

 

Ich war zwar in einem Zimmer ganz alleine, aber es kam regelmäßig jemand zu Besuch um Futter und Wasser hinzustellen und manchmal waren da Zweibeiner, die mir nette Worte sagten und an meiner Filzmatte rumschnitten und rumzerrten. Zunächst allerdings kam auch dauernd so ein Hundemedizinmann und stellte alle möglichen unangenehmen Dinge mit mir an. Fand ich im Prinzip gar nicht so klasse, aber wenigstens kümmerte sich jemand um mich.

 

Und immerhin durfte ich jeden Tag raus auf eine kleine Wiese und manchmal war dann da sogar eine andere Fellnase. Die allerdings interessierte mich nicht so wirklich. Vielmehr wurde mir nach und nach klar, dass es rundherum eine große weite Welt gibt, die erforscht werden will.

 

Welch ein Fest, als endlich mal jemand auf die gute Idee kam, mich mit nach draußen vor die Tore des Tierheims zu nehmen. Leider war der Zweibeiner an so einem Strick an mir festgebunden und war für mein Bestreben, alles einfach alles jetzt und hier und sofort und zugleich zu erkunden, viel zu langsam. Dadurch gab es ein ziemliches Gerangel und ewiges Rumgezackel. Aber in wichtigen Dingen bin ich ja einfach konsequent und habe die Ruhe weg: Ich will, was ich will und dann muss es schon ganz heftig kommen, bis ich mal von einem Vorhaben ablasse. Unter uns gesagt, sehe ich nicht nur dickfellig aus. Daher waren diese Spaziergänge keine schlechte Sache, aber eben nur mäßig erfolgreich für alle Beteiligten.

 

Und dann trat erstmals eine neue Zweibeinerin auf den Plan und redete ganz interessiert mit mir und ruschelte und wuschelte mir meine ausgedünnte Filzmatte.

 

Nach einmal Schlafen kam sie wieder und brachte einen weiteren Zweibeiner mit: der war echt total nett zu mir und den fand ich auf Anhieb richtig klasse. Mit dem konnte ich irgendwie gleich so von Mann zu Mann reden und ihm erklären, dass ich jetzt unbedingt und sofort hier raus müsste. Er schien es verstanden zu haben und trotzdem verschwanden die beiden wieder. Ich hoffte doch sehr, dass ich nicht was falsch gemacht und sie damit vertrieben hatte.

Aber nein, am nächsten Tag kamen sie wieder und brachten eine Hundedame und ein Hundemädchen mit. Naja… viel wichtiger war, dass es jetzt endlich wieder vor die Tierheimtore ging. Leider wieder mit dem hinderlichen Strick und der eigentlich sehr nette Zweibeiner, der jetzt dran hing, war auch nicht gerade daran interessiert mit mir einen Streckenrekord zu brechen. Ach und die Zweibeinerin mit den beiden Hundefrauen, lief uns auch noch hinterher. Das war schon ein Ausflug mit Hemmnissen, aber, das Wichtigste war, dass ich mal wieder rauskam. Wer weiß, vielleicht war es ja das letzte Mal und daher sollte es schon schnell gehen. Da muss man schon auch Leinengezerre in Kauf nehmen können, fand ich zumindest damals.

 

Leider musste ich bald merken, dass meine Kondition nicht die Beste war. Dabei fiel mir auch ein, dass der Hundemedizinmann etwas von schwachem Herzen erzählt hatte. Daher und mal so unter uns und ganz ehrlich, zurück in meinem Tierheimzimmer,  war ich ziemlich geschafft.

 

Trotzalledem, als dies gemischte Rudel bald wieder vor der Tür stand, ging ich doch gerne mit hinaus, trotz störendem Strick und den eher überflüssigen Hundedamen.

 

So ging das denn tagelang und so langsam kam mir der Gedanke, ob es vielleicht normal sein könnte, dass Hunde jeden Tag aus ihrem Zimmer raus und zum Spazierengehen kommen. Wenn das so ist, dann könnte es man ja ein wenig gemächlicher angehen lassen und vielleicht auch mal ein Blick auf die Damenwelt des Rudels werfen. So ganz übel waren die eigentlich ja auch nicht, stellte ich dann fest. Sie rochen ganz fein und so ein gemeinsames Schnuffeln an Grasbüscheln hat doch auch was Verbindendes…

 

Dass ich dann jedes Mal, wenn so ein Spaziergang vorbei war, wieder in mein Hundezimmer musste und der Rest des Rudels gemeinsam in eine rollende Kiste stieg und verschwand, das war mir schön blöd. So manches Mal guckte ich traurig hinterher und fiepte wehmütig.

 

Aber damit war es bald vorbei. Die Zweibeinerin kam ohne Rudel und ließ mich in die rollende Kiste einsteigen. Ein wenig schwankte und wankte es, bunte Bilder zogen an mir vorbei und mir würde ein kleines bisschen übel. Das dauerte aber nicht lange, denn die Kiste hielt an und vor mir standen der sehr nette Zweibeinmann und auch die beiden Hundedamen. Bevor ich mich noch so recht orientieren konnte, starteten wir alle zu einem Spaziergang. Und was für Möglichkeiten: keine Straßen, keine stinkenden Autos, kein Lärm, kein Gestank, kein Staub nur Felder, Wälder und Wege die die schönsten Duftspuren, die ein Hund sich denken kann, tragen. Dann aber nix wie los! Dem Zweibeiner konnte ich ganz schön Beine machen und so manches Mal dachte ich, dass wir die Damenriege des Rudels abgehängt hätten.

 

Zurück ging es dann in die Wohnhöhle des Rudels. Zunächst habe ich mir alles ganz genau angeschaut: mehrere Zimmer, eines mit einem Ausgang nach draußen, ein großes Hausrevier mit vielen interessanten Gerüchen und abwechslungsreicher Gestaltung. Mann oh Mann, so lässt sich ein Hundeleben ja wirklich gut aushalten.

 

Im Haus selber auch alles Bestens, wie z.B. mehrere komfortable Hundeplätze, ein Zimmer indem es geradezu himmlisch nach Futter roch und alles hundegerecht eingerichtet, keine rutschigen Fußböden, keine Barrieren und keine schlechtgelaunten Zweibeiner, wie ich sie wohl auch schon zur Genüge kennen gelernt habe. Ganz im Gegenteil diese beiden Zweibeiner des Rudels waren ausgesprochen freundlich und immer bereit einen Hundewunsch zu erfüllen..

 

Jetzt wollte ich aber auch mal hübsch manierlich  und pflegeleicht sein, damit ja keiner auf die Idee kommt, dass ich hier irgendwie nicht herpasse. Auf so Dinge wie „Komm“, „Sitz“ und „Platz“ zweckmäßig zu reagieren, hatte ich ja irgendwann mal gelernt und konnte damit echt gut punkten bei den neuen Zweibeinern. Dass die dabei so komische Handzeichen machten, hat mich nicht weiter gestört, die sind glaube ich auch eher für die alte Hundedame, die nicht mehr so recht zu hören scheint, wichtig. Trotzdem habe ich natürlich gleich begriffen, welche Handzeichen z.B. für „Sitz“ und „Platz“ gedacht sind und habe dann einfach so getan, als ob die Zweibeiner dieses auch ausgesprochen hätte. Sowas ist einfach ein Klacks für einen erfahrenen Hundemann, wie mich. Und die Zweibeiner waren begeistert wir klug und folgsam ich sei.

 

Die ersten Tage waren schon spannend. Es gab 3x am Tag Futter, 2 Spaziergänge und die restliche Zeit konnte ich das Revier kontrollieren und stöbern und schnuffeln und buddeln, wie ich wollte….Aber meistens hielt ich mich ganz in der Nähe von den Zweibeinern auf, damit die ja nicht heimlich verschwinden konnten. Alles erster Keks, kann ich nur sagen. Die Zweibeiner, wie gesagt, immer freundlich und nett. Die Zweibeinfrau hieß Frauchen und der Zweibeinmann Herrchen, so hatten die beiden Hundedamen zumindest gesagt. Diese schienen übrigens im Prinzip nichts dagegen zu haben, dass ich auch da war.

 

Wobei, die ältere von beiden, die Gina, tat immer ein bisschen hochnäsig und so, als ob sie alleine hier das Sagen hätte.

 

Nach ein paar Tagen ging mir das Getue von der doch ziemlich auf die Nerven. Und außerdem war es sowieso an der Zeit, hier im Hause mal die Karrierechancen zu checken. Also gedacht, getan, bei der nächstbesten Gelegenheit packte ich mir die Dame am Hals und wollte sie mal so richtig durchschütteln. Uijuijuijui…., das hatte ich mir doch anders vorgestellt, zum Einen wurde diese alte Dame ruckzuck so richtig grell, die hat den Spieß blitzschnell umgedreht und mir völlig überraschend heftig Paroli geboten und dann und das war fast noch Schlimmer, kam Herrchen laut bellend angeschossen und hat uns kurzerhand auseinandergepflückt. Und es war nicht zu übersehen, dass er total knurrig auf mich war.

 

 

Das gab mir dann aber doch ein wenig zu denken.

 

Andererseits, diese Gina schaute mich manchmal so abfällig und im wahrsten Sinne von oben herab von ihrem Sofathron aus an, dass es mich in jeder Zahnspitze juckte. Also behielt ich sie erstmal scharf im Auge und immer, wenn sie dann zufällig in meine Richtung schaute starrte ich sie an und machte meinen Nacken ganz steif. Das allerdings konnte sie auch und so war hier erstmal nichts zu gewinnen. Völlig unverschämt tat sie weiterhin so, als ob diese kleine Hundewelt geradezu für sie reserviert wäre und sie hier tun und lassen könnte was sie wollte.

Draußen beim Spazierengehen und im Garten war das überhaupt kein Problem, aber in der Stube und vor Allem vor den Futterzeiten kochte in mir doch so diese nagende Flamme der Konkurrenz  immer wieder hoch und dementsprechend probierte ich mehrmals diese alte Hundediva mit Geknurre, Zähnegefletsche und auch mit vollem Körpereinsatz von ihrem Podest zu bringen.

 

Weit kam ich allerdings damit auch nicht, denn der Ärger war vorprogrammiert. In dieser Phase zeigten die Zweibeiner überhaupt kein Verständnis für mein Anliegen und waren dann gar nicht mehr so freundlich zu mir. Immer wurde ich angebellt, wenn ich gerade mal so ein kleines Zahngemenge mit Gina initiieren wollte und einmal haben sie mich sogar aus dem Zimmer geschickt und die Tür zugemacht, sodass ich mindestens 3 Minuten völlig alleine war.

 

Und mit dem laissez-faire war es dann plötzlich auch vorbei. Es gab mindestens 1000 unerwartete Regeln, wie: lieg nicht im Weg, lieg nicht in den Zimmereingängen, lieg nicht vor den Futterplätzen, lieg nicht vor den Wassernäpfen, starr Gina nicht an, geh auf Deinen Hundeplatz uws., usw., usw….. Mann, war das blöd – bei all den Regeln kam ich kaum dazu, eine Gelegenheit zu finden meine Position in diesem Rudel zu festigen.

 

Mit MALA war das übrigens alles gar kein Problem. Die hatte ich einmal kurz ins Bein gezwickt, als sie sich während der Futterzeit an mir vorbei drängeln wollte und schon war ihr klar: Ich bin hier der Bestimmer. Und weil das so klar ist, darf die z.B. jederzeit um mich herumtoben, ihre Nase in meinen Fressnapf stecken, mir die Kekse vor der Nase wegschnappen….. Denn, ich bin der Bestimmer und dann kann ich schon mal großzügig sein. Manchmal kommt in mir allerdings auch der leise Verdacht auf, dass dieses neckische Hundemädchen mir ganz schön auf der Nase rumtanzt, weil sie mich im Grunde ihres Herzens überhaupt nicht für voll nimmt… Wie auch immer, dieser kleine Fratz ist so charmant, dass sie einfach Narrenfreiheit hat. Mit der kann man sich einfach nicht streiten. Eben ganz anders als mit Gina. Die beharrte einfach völlig stur und unbeugbar darauf, dass ich ihr nichts zu sagen hätte.

 

Und völlig unverständlicherweise behauptete zumindest Frauchen genau das Gleiche. Immer hingen die beiden zusammen und haben schlecht über mich geredet. Ich glaube, einmal habe ich sogar gehört, wie die beiden von mir als kleinem Matchoa… gesprochen haben. Herrchen war da schon mehr auf meiner Seite, aber Gina so ordentlich zusammenstauchen durfte ich auch bei dem nicht.

 

Dafür ist er aber dann jeden Tag mit mir ganz alleine raus gegangen,  hat sich auf so ein Zweirad gesetzt und ich durfte ihn ziehen und manchmal auch einfach nebenher laufen. Das macht ziemlich Spaß zumal immer wieder Schnuffelpausen eingebaut werden. Und Frauchen hat mich einmal in der Woche in diese rollende Hundetransportkiste gesetzt und ist mit mir in eine Hundeschule gefahren. Nein, da musste ich nicht rumhetzen und mich anschreien lassen, sondern da wurden Dinge versteckt, die ich suchen durfte und wenn ich die dann gefunden hatte, gabs immer einen Keks. Das mit der Hundeschule war übrigens dann irgendwann vorbei, aber diese Fahrradtouren mit Herrchen und die Suchspiele mit Frauchen, die gehören nach wie vor zu meinem täglichen Tagesprogramm. Und das neben den täglichen Sparziergängen, den Reviergängen im Garten und nicht zu vergessen den fast täglichen Ausbau meiner beiden Wohnhöhlen unter den Rhododendronbüschen…. 

 

Da bleibt mir fast gar keine Energie und Zeit mehr, mich hier mit Hierarchiearbeit zu belasten. Scheint auch ehrlich gesagt, nicht wirklich gefragt zu sein in diesem Rudel. Zumindest ist es hier, seit mich diese Frage nach einer geeigneten Position nicht mehr so umtreibt, wieder viel gemütlicher und entspannter und dieses ganze Regelwerk der nono-Plätze und Verbote gerät auch immer mehr in Vergessenheit.

 

Und Gina, naja, die ist halt, wie sie ist. Vielleicht ist es wirklich das Vernünftigste, die einfach in Ruhe zu lassen.  Im Gegensatz zu der, wird MALA aber immer netter zu mir. Legt sich ganz oft nahe an mich bei, wenn wir irgendwo dösen und ganz manchmal darf ich auch zu ihr in ihr Körbchen und mit ihr gemeinsam schläfern.

 

Alles in Allem bin ich hier schon sehr zufrieden mit meinem Hundeschicksal und freue mich auf den Rest meines Hundelebens in meinem Rudel.

 

Bärige Grüße sendet

 

Woodstock