Gebt Tierheimhunden ein Zuhause

Gina merkt an:

 Auf ein Wort: Ich persönlich habe ja gar nichts gegen den ganzen Rummel, der hier um „MALA erzählt“ gemacht wird. Ganz im Gegenteil, ich freue mich ja für die Kleine, dass sie so im Mittelpunkt steht und soviel Gepfötel und Schwanzgewedel bekommt. Und ich bin die Letzte, die nicht jederzeit anerkennen kann, dass MALA eine ganz charmante Plaudertasche ist, sehr niedlich aussieht und die hinreißendsten Ohren der Welt hat.

 

Aber ….. mal Keks bei Seite: So eine ganz richtige Schäferhunddame – so im klassischen Sinne - ist sie einfach nicht. Da erwartet man doch eher was anderes.

 

Ich z.B. habe die original Schäferhundfarbe und Zeichnung, auch die in jahrelanger Arbeit über Generationen hinweg gezüchtete typische Schäferhundstatur (leider auch mit den typischen Schäferhundhüften) und ich bin mein Leben lang nie einem ordentlichen Streit aus dem Weg gegangen.

 

Am Anfang war mein Leben allerdings auch nicht gerade erfreulich. Von der Mama und dem Papa bekam ich zwar hochteure rote Zettel mit auf den Lebensweg, der mich dann aber ziemlich schnell und abrupt in einer düsteren Scheune führte. Da blieb ich dann erstmal die allermeiste Zeit geparkt, bis ich alt genug war, selber Welpen zu bekommen.

 

Manche Hundemütter finden ihre Welpen ja toll. Das war bei mir anders. Diese kleinen, fiepsenden Dinger  mit diesen spitzen Zähnen und diesen ständigen Wünschen…. Also nein, für mich ist das nix und dann hieß es sofort, ich wäre eine schlechte Mutter und für die Zucht nicht zu gebrauchen.

 

Also benötigten mich diese Zweibeiner, denen die Scheune gehörte, einfach nicht mehr und so wurde ich meist von denen total vergessen. Futter und Wasser gab es eher sporadisch und an rausgehen und rumtollen, war schon gar nicht zu denken. Meist lag ich da rum, nagte ein wenig an den Scheunenwänden oder kaute auf Steinen, die ich fand, rum. Leider hat das meinen Zähnen nicht gerade gut getan und mit meinem Bauch war auch so einiges nicht in Ordnung, was aber keinen auch nur einen Knochenfitzel kümmerte.

 

Eines Tages hörte ich dann Geknurre und Zähnegefletsche zwischen den Scheunenzweibeinern und irgendwelchen fremden Leuten. Die  gingen sich ziemlich ins Fell und schließlich trollten sich die Scheunenzweibeiner  aus dem Revier und diese Fremden kamen rein und nahmen mich einfach mit.

 

Nahmen mich mit in ein fremdes Rudel, indem es schon zwei andere Schäferhundfellnasen gab und keine düstere Scheune, sondern so eine spezielle Sorte  Höhle mit mehreren unterschiedlichen Verschlägen mit Stofffußboden und Licht, welches durch Löcher irgendwo weiter oben in der Wand reinkam. Außerdem waren da auch noch mehrere große und kleine Zweibeiner, die hier alle gemeinsam hausten.

 

Im Prinzip war das schon eine echte Verbesserung für mich, besonders was die regelmäßige Versorgung mit Futter und Unterhaltung betraf. Ein paar Wochen genoss ich das auch wirklich als neuen Luxus in meinem Hundeleben, zumal ich ja auch ziemlich mager und schlapp da ankam.

 

Aber mit der Zeit erholte ich mich und auf Dauer wurde es mir da einfach zu eng, zu laut, zu stressig und dann war diese Wohnhöhle auch nur über so eckige Steine zu erklettern… Und klettern macht mir überhaupt keinen Spaß, weder diese eckigen Steine rauf, noch auf einer Wiese, die rätselhafter Weise Hundeplatz heißt. Die nämlich eher dazu dient, dass Zweibeiner mal so richtig laut rumbrüllen können, als dass ein Platz für Hunde ist. Unsereins muss da ständig auf der Hut sein, nicht irgendwas misszuverstehen, sonst ist der Stress vorprogrammiert. Und so richtig dolle fanden meine Schäferhundhüften das nun auch nicht. Satt, warm und sauber hatte ich es bei diesem Rudel jetzt ja, aber diese Rumhetzerei und diese Trietzerei und immer machte ich was falsch und immer gab’s Stress…. Außerdem tat mir immer noch der Bauch weh und keiner merkte es.

 

Das alles zusammen schlug mir ziemlich auf die Stimmung und daher war ich dann zugegebenermaßen auch immer mal nicht allzufreundlich zu den anderen Rudelmitgliedern. Der Stresspegel stieg für alle, die in der Höhle hausten und so richtig zufrieden war wohl keiner in dieser Situation.

 

Um es kurz zu machen, die nächste Station auf meinem Lebensweg war ein Tierheim und das war nun auch nicht gerade Ziel meiner Wünsche. Aber zumindest hatte ich hier ein Zimmer für mich alleine, in das eigentlich nur jemand reinkam, um mir Futter hinzustellen und ich durfte mehrmals am Tag in einem großen Auslauf toben und schnuffeln und mit den Zweibeinern dort Bällchen spielen und ab und an gab es auch mal einen Spaziergang. Und diese strengen Dinge wie „Platz“ und „Aus“ und Wand hoch, Wand runter hatten erfreulicherweise damit ein Ende. Trotzdem war mir es da viel zu langweilig und ich hoffte sehr, dass das jetzt nicht so für den Rest meines Lebens so blieb.

 

Diese Tierheim-Episode dauerte aber zum Glück gar nicht lange, denn bald kamen mein Frauchen und mein Herrchen und holten mich endlich in mein richtiges Zuhause! Zwei Zweibeiner, die viel Zeit für mich hatten, zwar auch diese Stofffußbodenverschläge mit Lichtlöchern, aber auch ein eigenes spannendes Revier in dem ich jederzeit rumstromern konnte, eine Scheune mit einem großen Tor, dass immer offen stand und aber auch mit einer anderen weiblichen Fellnase! Also die, die hätte ich ganz ehrlich nicht gebraucht!

 

Die, die war auch ziemlich eingebildet und tat einfach immer so, als ob ich gar nicht da wäre!

 

Ein paar Mal wollte ich sie zur Rede stellen und sie mir mal so richtig zum Zahn nehmen, aber da wurden diese eigentlich immer ruhigen und freundlichen Zweibeiner sofort so richtig gallig und haben mir ganz deutlich gesagt, dass das überhaupt nicht o.k. ist.

Nun gut, Janka, so hieß das andere Hundemädchen, und ich, haben uns dann recht schnell einigen können, dass zwischen uns Burgfrieden herrscht. Bald entdeckten wir auch gemeinsame Interessen, wie z.B. energisch gegen jeden Reviereindringling, der mehr als zwei Beine hat, vorzugehen.

 

Einen herben Rückschlag gab es in meinem Hundeleben dann doch noch mal, als nämlich diese blöden Bauchschmerzen gar nicht aufhören wollten, sondern im Gegenteil immer schlimmer wurden. So schlimm, dass ich gar nicht mehr essen und auch nicht mehr spazieren gehen wollte. Frauchen und Herrchen brachten mich dann in ein Hundekrankenhaus und die untersuchten mich und guckten ganz ernst und erklärten was von perforiertem Darm und dass ich bald in den Hundehimmel gehen sollte!

 

Stopp, halt, nein!!!! So läuft das ganz und gar nicht! Da habe ich nun das Leben, das ich mir gewünscht habe und nun soll ich es schon wieder verlassen.

 

Zum Glück haben mich meine Zweibeiner genau verstanden und haben den Hundemedizinmännern gesagt, dass sie mich schlafen legen und eben dies kaputte Stück in meinem Baum rausnehmen sollen. Die meinten zwar, dass sich das nicht lohne, aber Herrchen und Frauchen wurden da ganz bestimmtend und so wurde ich operiert und musste sogar für einige Tage in dem Hundekrankenhaus bleiben.

 

Als ich wieder nach Hause durfte, ging es mir erstmal gar nicht so gut. Immer musste ein Zweibeiner bei mir sein, das Essen war flüssig und wurde den ganzen Tag immer in kleinen Portionen direkt ins Maul getröpfelt. Aber ich wusste, das Beste in meinem Leben kommt noch und das lass ich mir jetzt nicht nehmen und die Regenbogenbrücke kann warten.

 

Und so war es dann auch: Janka, Frauchen, Herrchen und ich hatten viele schöne, gemeinsame Jahre miteinander und so manches Erlebnis aus dieser Zeit wäre wirklich einer ausführlicheren Erwähnung wert….

 

Aber die Erzählerin kam ja erst in unsere Familie nachdem Janka in den Hundehimmel vorgegangen ist: MALA!

Wobei wir wieder am Anfang meiner kleinen Rede wären. Ganz ehrlich, kaum einer, der dieses kleine mickrige verschreckte Ding von damals erlebt hat, hätte sich je träumen lassen, was sie mal für eine Vorwitznase wird.

 

Ohne überheblich klingen zu wollen, finde ich, dass ich für diese überraschend positive Entwicklung den größten Teil der Verantwortung getragen habe. 

 

Nix wusste, die MALA von einem richtigen Hundeleben, einfach gar nix. Das war für mich ein ganz schönes Stück Arbeit, die Kleine zu erziehen. Am Anfang war sie gar nicht so empfänglich für meine gut gemeinten Ratschläge, lief weg, versteckte sich und tat immer so, als ob sie gar nicht zuhören würde.

 

Aber das war nur ein Übergang und bald wich sie mir nicht mehr von der Seite und beobachtete jeden Schritt von mir ganz genau. Nach dieser doch bis ans Ende ihrer Tage eher arroganten Janka,  war das gar kein so schlechtes Gefühl. So ein kleines Lehrmädchen zu haben, das mich mit großen, bewundernden Stauneaugen anschaut und an jeden meiner Waus hängt, das hat mir wirklich gefallen. Bald machte sie mir auch vieles nach und hat so erstaunlich schnell doch die wesentlichen Dinge gelernt. Die da sind, vertraue Frauchen und Herrchen, benimm dich freundlich und höflich und Katzen gehören auf den Baum. Ein paar Dinge, die sie macht, hat sie allerdings keinesfalls von mir gelernt und über diese schweige ich auch mal lieber, denn nobody is perfect, da wollen wir mal ganz ehrlich sein.

 

Mittlerweile ist es sogar soweit, dass sie mir hin und wieder ein paar Aufgaben abnehmen kann, wenn ich gerade mal nicht so gut beieinander bin oder was Wichtiges verschlafe. So kann sie z.B. schon ganz alleine und selbständig fremde Zweibeiner vom Grundstück fern halten oder hat es jetzt auch übernommen, Frauchen oder Herrchen die Zeitvorgaben für Spaziergänge oder Hundemahlzeiten zu übermitteln. Manchmal helfe ich ihr natürlich immer noch mal dabei, aber alles in allem ist sie dann doch noch ein ganz passabler Hund geworden…..

 

Naja, genau genommen ist sie viel mehr als das, sie ist einfach das bezauberndste Hundewesen das es gibt und das ganz große Glück in meinem Leben: meine MALA.

 

Viele Grüße von der Couch sendet

 

 

Gina