Gebt Tierheimhunden ein Zuhause

 

MALA erzählt (8): Wie ich Herrchen und Frauchen beibrachte ohne Leine zu laufen

Hallo liebe Leute,

wie ihr ja alle wisst, ist das Problem zwischen Mensch und Hund meist am anderen Ende der Leine! Und genau darum geht es mir heute. Eigentlich lernen Herrchen und Frauchen ja schnell, aber das ohne Leine Gehen hat bei ihnen doch ein wenig länger gedauert.

Die ersten Tage in meiner neuen Familie waren ja für alle Beteiligten so aufregend, dass keiner auf die Idee kam, mit uns Fellnasen spazieren zu gehen. War auch ganz gut so, denn ich musste ja erst mal das Revier hier vor Ort kennen lernen und erkunden. Dabei ist gleich am ersten Tag was ziemlich Blödes mit so einer Leine passiert. Als ich hier ankam, hat man mich ja erstmal ganz in Ruhe gelassen, damit ich mir alles genau anschauen kann. Meine neuen Menschen und Gina saßen auf der Terrasse und ich inspizierte das unbekannte Terrain. An meinem Halsband hatten die Menschen ein Stück Band befestigt, denn sie wollten sicher sein, dass sie mich auch, wenn nötig, mal anfassen konnten. Das war anders zu dieser Zeit so direkt gar nicht möglich. Also, ich schlich mich durch das Gelände, kontrollierte die Zäune und erforschte die Beete, Büsche und Sträucher. Ich entdeckte sogar ein kleines Haus, das ganz anziehend nach interessanten Dingen roch und sogar mehrere Zimmer hatte. Anscheinend hatten hier früher mal fedriges Vieh und Langohren gewohnt. Ich schnupperte also so sehr animiert vor mich hin, als es plötzlich nicht mehr weiterging.  Das Band, welches ich so doof hinter mir herzog, hatte sich unter einem Türspalt verklemmt. Egal, wie ich mich auch drehte und wendete, für mich ging es jetzt weder vor noch zurück und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis endlich ein Zweibeiner auftauchte und das Band losrödelte. Schnell wie der Wind stürzte ich aus dem Häuschen, das Band hatte ich dadurch aber leider nicht losbekommen. Zumindest wurde es aber deutlich kürzer gemacht, sodass meine weiteren Orientierungsgänge nicht so abrupt unterbrochen wurden. Um den ehemaligen Stall machte ich aber erstmal einige Tage einen großen Bogen. Auch alles im Haus war neu für mich, denn ich kannte keine Wohnung, keine Teppiche, keinen Fernseher (hat mich zunächst wirklich geängstigt das Ding). In den ersten Tagen oder sogar Wochen, das weiß ich mehr nicht so genau, habe ich mich ja von meinen Menschen gar nicht berühren lassen, sondern habe immer einen sicheren Abstand gehalten. Aber ich habe genauestens beobachtet, dass Gina sich da völlig anders verhalten hat. Die wollte sich gerne anfassen lassen und ist sogar ganz oft, einfach mal so zu Herrchen oder Frauchen gegangen, sogar, wenn die keinen Keks in der Hand hielten. Das fand ich ja schon sehr befremdlich und schon fast ein wenig unheimlich. Manchmal pirschte ich mich dann auch vorsichtig an, um sozusagen in Ginas Deckung, mal hoffnungsvoll nach einem Keks zu fragen, der dann auch erfreulicherweise immer in der Menschenhand bereitlag.

Aber eigentlich wollte ich ja von dem ohne Leine Laufen berichten. Also irgendwann war es dann soweit, dass Herrchen und Frauchen Gina ein Halsband anlegten und eine Leine daran befestigten. Ich hatte ja mein Halsband immer an und daran war auch so eine kurze Schlaufe, in die dann ruckzuck die Leine eingeklinkt war. Hey, dachte ich, Moment, so war das aber nicht abgemacht. Gerade war ich noch am überlegen, wie ich aus der Nummer wieder rauskomme, als schon die Tür nach draußen aufging und Gina schon mal loslief. Da wollte ich natürlich hinterher, Leine oder nicht, war da gerade egal. Ich rannte also zu Gina, aber kurz bevor ich mein Näschen unter ihre Rute klemmen konnte, wo immer ein guter und sicherer Platz ist, spannte die Leine an meinem Halsband und hielt mich zurück. Also nix wie weg… Aber das ging auch nicht. Also zerrte und bockelte ich rum, während Gina einfach weiterlief und ich ihr schließlich folgte, die Leine immer noch am Halsband und hinten dran hing Frauchen, die wohl versuchte mich möglichst wenig zu stören, viele freundliche Worte sagte, die mich anscheinend beruhigen sollten und zum Glück auch die Kekse nicht vergessen hatte. Also zogen wir los und eigentlich hätte alles ganz schön und in Ordnung sein können, wenn nicht diese blöde Leine mir immer wieder echt Ärger machte. Ich konnte nicht laufen, wie ich wollte, ich konnte nicht einfach heimgehen, ich konnte zwar stehen bleiben und Frauchen blieb auch stehen, aber Gina und Herrchen gingen einfach weiter und dann musste ich schnell hinterher und da war Frauchen einfach nicht flink genug und wieder ging das Gezerre und Geruckel los. Manchmal, wenn anscheinend gerade alles gut lief, blieb Gina stehen und ich auch und Gina lief weiter und ich auch und das grässliche Leinengerödel verhedderte sich, wickelte sich mir um die Beine und ich kämpfe mit allen vier Füßen dagegen an, was die ganze Sache noch viel schlimmer machte.

Also irgendwie machte uns allen das gar keinen Spaß und immer, wenn es dann bei diesen Spaziergängen in Richtung zum heimatlichen Hof ging, war mir gerade alles egal und ich zog und zog und zog, nur um möglichst schnell nach Hause zu kommen und die blöde Leine los zu werden. Dann hatten Herrchen und Frauchen die glorreiche Idee mir anstatt einem Halsband ein Geschirr anzulegen: Na vielen Dank! Jetzt schnürte es mir zwar nicht mehr den Hals zu, dafür zog mich das Ding im Fall der Fälle, also in dieser Phase im Normalfall, nach allen Seiten und brachte mich endgültig aus dem Gleichgewicht, sodass ich bald gar nicht mehr laufen wollte. Ich war völlig genervt, Gina auch, weil es nicht voranging und Herrchen und Frauchen hatten bald auch keine Idee mehr, wie wir diesem Drama ein Ende bereiten könnten. Gemeinsam rausgehen wollten wir alle, das war schon klar, aber es sollte einfach uns allen auch Spaß machen.

Irgendwann war alles an Leine so chaotisch verwirrt und verwickelt, dass Frauchen einfach die Leine fallen lies und siehe da, auf einmal war auch das Problem behoben! Ich konnte plötzlich laufen, wie ich wollte, die blöde Leine störte nicht mehr und alles war entspannt. Zum Glück haben Frauchen und Herrchen auch gleich gemerkt, dass es so das Beste für uns alle ist und haben die Leine einfach schleifen lassen. Welch Genuss, welch Gewinn an Freiheit und Lebensfreude… bis es immer wieder geschah, dass diese unselige Leine sich irgendwo festhakte, hängenblieb und mich dann manchmal fast schlagartig von den Pfötchen zog. Vorbei war es dadurch mit den angenehmen Wellnessgefühl und der Abenteuerfreude, denn ich wusste ja nie, wann diese Leine wieder zuschlägt und mich aus dem Gleichgewicht und aus der Richtung bringt. Gut daran war, dass Herrchen und Frauchen bei all den aufreibenden Geschehnissen immer einen Keks zur Hand hatten, sodass ich wusste, egal was passiert, die Kekse warten immer in der Menschenhand und wanderten nach Aufforderung bedingungslos in mein Mäulchen. So langsam gewöhnte ich mich dann auch daran, immer in Nasenweite zu diesen gebenden Händen zu laufen. Das klappte dann so gut, dass nach nicht allzu vielen Tagen die Leine einfach völlig wegblieb. Na prima, warum nicht gleich so!!! Endlich war auch dieser Teil meiner kleinen Hundewelt in Ordnung gekommen. Obwohl, es hat mit dem Lernerfolg bei Herrchen und Frauchen da doch ein bisschen länger gedauert.

Seither machen die Spaziergänge wirklich allen Spaß und ich bestehe auch darauf, dass wir mindesten zweimal am Tag losgehen. Es gab noch ein paar kleinere Krisen, so z. B. als ich mich diese großen Felltiere, die hier bei uns im Wald und auf den Feldern rumlaufen, neugierig gemacht haben und ich hinlaufen wollte, um ihnen freundlich „Guten Tag“ zu sagen. Die liefen doch einfach vor mir davon und ich musste flugs hinterher, um klar zu stellen, dass ich nix tu und nur spielen will. Aber dummerweise kam Gina niemals mit und ohne Gina traute ich mich im Prinzip doch nicht allzu weit von meiner Einheit weg und so kam ich dann immer wieder schnell zurück und bekam sogar einen Keks. Mittlerweile kürzen wir das ganze einfach ab. Wenn ich ein großes, leichthufiges Felltier im Wald sehe, gehe ich zu Herrchen oder Frauchen und bekomme einen Keks und bis der verspeist ist, ist das andere Felltier dann meist auch schon weg und wenn nicht, dann gibt es eben noch einen Keks.

Nur einmal begang ich einen echte faux pas. Da schlenderten wir alle so einen kleinen Hügel hoch und konnten oben angekommen richtig gut in die weite Ferne blicken. Da sah ich ganz hinten am Horizont ein Band auf dem sich schwarze Punkte, wie an einer Schnur gezogen, ganz schnell bewegten. Was genau es war, weiß ich nicht, aber wie vom Katapult geschossen stürzte ich los, um diese schwarzen Punkte zu fangen. Ich hechtete über einen Graben und stürmte übers Feld, dass mir die Erdklumpen nur so rechts und links um die Ohren flogen und lief und lief und zwar so schnell, dass ich unmöglich hören konnte, dass Herrchen und Frauchen mich ganz laut riefen. Der Wind pfiff mir so um die Ohren und der Gedanke „Ich muss diese Punkte kriegen“, brauste in meinem Kopf. Jetzt war ich aber solche Sprints gar nicht gewöhnt und auch körperlich nicht so in Bestform, wie es heutzutage der Fall ist. Um es kurz zu machen, so auf halber Strecke zwischen meinen Menschen und meiner Beute ging mir einfach die Luft aus. Ich musste einfach eine Jagdpause machen und kaum wurde ich etwas ruhiger, wurde ich auch unsicher, ob das mit dem Jagen eine so gute Idee war, zumal mich Gina ja offensichtlich dabei nicht begleitete. Dann hörte ich auch in weiter Entfernung die Zweibeiner rufen. Das Abwägen zwischen dem anstrengenden und ungewissen Beutemachen und dem Rückweg zu Gina und sicheren Keksen, war schnell geschehen. Ich kehrte um. Gina und die Zweibeiner haben sich ziemlich gefreut, dass ich wiederkam, was fast noch besser war, als die Kekse, die es zur Begrüßung reichlich gab.

Ach ja und dann gab es noch so eine andere Geschichte, die eigentlich keiner wissen müsste, aber Herrchen hat sie Frauchen verpetzt und die hat es auch schon weitererzählt, sodass es eigentlich kein persönliches Geheimnis mehr ist. Ein oder allerallerallerhöchstens zweimal wollte ich es dann von diesen Fellleichthuftieren doch ganz konkret wissen, warum sie immer weglaufen, wenn wir des Wegs kommen und bin denen ein bisschen weiter hinterhergelaufen. Ich dachte, wenn ich den gleichen Weg wie die nehmen, nämlich quer durchs Unterholz und hoch die Böschung, dann schaff ich es vielleicht, sie zu einem Gespräch unter Felltieren zu bewegen. Aber als ich oben ankam, stand da nur Herrchen, der schnaufte ganz laut, war in gar nicht guter Stimmung und hat mich dann an die blöde Leine genommen. Das habe ich mir echt gemerkt und ignoriere diese provozierenden Spaßbremsen einfach konsequent. Aber das habe ich ja weiter oben schon erwähnt.

Andere Menschen oder andere Hunde sind hier in unserem Spaziergehrevier äußerst selten und da würde ich sowieso schon aus einer gesunden Vorsicht heraus nie hingehen. Auch Gina ignoriert fremde Zweibeiner, nur wenn diese einen Hund dabei haben, macht sie ein Riesenspektakel und sorgt schon dafür, dass diese uns ihrerseits nicht zu nahe kommen.

Und so sind die Spaziergänge mittlerweile, neben den Essenszeiten natürlich, die Höhepunkte unserer Tage. Wir können da laufen, schnuffeln, buddeln und kontrollieren, wer denn da noch so in unserem Revier unterwegs ist. Manchmal machen wir auch Spaziergehpausen und suchen uns einen schönen Platz irgendwo am Feldrand und inspizieren dann da ganz genau Grasbüschel für Grasbüschel, Mauseloch für Mauseloch oder liegen einfach nur rum gucken in die Gegend und genießen die Sonne und den Wind auf unserem Pelz. Ab und zu versteckt dann Frauchen auch kleine Leckerlies im Gras, die wir dann suchen und naschen können und ich denke dann, das Leben kann so schön sein für

 

Eure MALA