Gebt Tierheimhunden ein Zuhause

MALA erzählt: Teamwork

Hallo liebe Leute,

ein wenig seid Ihr ja informiert über den Alltag in unserem Vielhundehaushalt. Und wer diese Berichte aufmerksam gelesen hat, dem konnte bisher nicht verborgen bleiben, dass Gina und ich es gerade mit den Hundejungs nicht immer leicht haben.

Aber es gibt auch ein paar Dinge, die echt gut klappen, bei denen Teamwork das Leben einfacher macht. Und da meine ich nicht nur die Aufgabe, den Garten katzenfrei zu halten… Ganz weit vorne sind da die Möglichkeiten, Anliegen, die wir an Herrchen und Frauchen haben, deutlicher zu machen.

So z. B. haben wir 2- bis 3-mal am Tag, den Wunsch zu einem Reviergang außerhalb des Hofes, um auch da sicherzustellen, dass da alles die gewünschte Ordnung hat, um die Grasbüschel zu markieren, die Leichthuffelltiere zu zählen oder die Mäuselöcher durchzuarbeiten. Leider können Gina, Woodstock und ich uns da nicht einfach verabreden und losgehen, sondern müssen mindestens Herrchen oder Frauchen oder eben beide mitnehmen.

Einerseits blöd, andererseits vielleicht auch gar nicht so schlecht, falls mal was Unvorhergesehenes passieren könnte.

Klar könnte man einfach nur abwarten, dass es losgeht, aber manchmal haben wir die Befürchtung, dass der Ausflug vergessen werden könnte oder einfach die Idee, ihn zeitlich etwas vorzuverlegen oder eben einen weiteren in den Tagesablauf einzubauen, wenn es unsere Zeitplanung gerade günstig erscheinen lässt. Jetzt reicht es aber in der Regel nicht, mal eben bei Herrchen oder Frauchen kurz vorbeizugehen und Bescheid zu sagen, dass wir jetzt ausgehfertig sind.

Das wird im Normalfall oft einfach ignoriert und von denen so getan, als ob andere Dinge gerade wichtiger wären. Also müssen wir da mit Taktik vorgehen.

In der ersten Stufe legen oder setzen wir uns direkt vor oder neben unsere Zweibeiner und gucken aufmerksam. Das muss man dann mit so einer Art wehleidigen Blick ganz lange und ausdauernd machen. Nach einiger Zeit produzieren wir, also vor allem Woody und ich, zur Untermalung zunächst kleine, verhaltene Geräusche. Das sind zum Beispiel lautmalerisches Gähnen, auffälliges Belecken oder Schmatzen, unterschwelliges Gemaule (das kann ich besonders gut!!!) oder Gebrummel, lautstarkes Kratzen (das ist eher Woodys Beitrag)…

Irgendwann kann dies auch der beschäftigste Zweibeiner nicht mehr überhören und übersehen. Er versucht wegzugucken. Aber wohin, denn vor ihm, rechts von ihm, links von ihm… überall schauen ihn flehende Hundeaugen an. Also schaut der Zweibeiner ein wenig betroffen auf seine Hände, Füße oder einfach so ganz eng unter sich und fummelt weiter an seinen Beschäftigungen rum und versucht in dieser Phase noch so tun, als ob nix wäre.

In der zweiten Stufe verlassen wir dann unsere Liege- oder Sitzposition und stellen uns kerzengerade hin, mit einer Körperspannung, wie ein Kunstspringer auf einem 15 m-Brett. Auch unserer Lautsprache verleihen wir jetzt eine ausdrücklichere Dringlichkeit. Klagendes Fiepsen, das langsam zum Quietschen gesteigert werden kann, erstes Gewuffel und Geblaffe, vielleicht gepaart mit ein paar Takten von Heulsequenzen… Klar ist, dass da der Zweibeiner kaum weghören kann und er uns aus den Augenwinkeln beobachtet. So langsam wird dem auch mulmig, denn er merkt, dass die Sache langsam ernst wird.

Und dann nähern wir uns mit der dritten Stufe so langsam dem Höhepunkt. Immer, wenn der Zweibeiner einen Fuß, eine Hand oder gar ein Bein bewegt, driften wir in eine wellenartige Vorwärtsbewegung, um immer näher an ihn heran zu schwappen. Dabei singt unser munterer Hundechor fröhliche Motivationslieder, die sehr abwechslungsreich sind und stilmäßig so zwischen Free Jazz und Klassik variieren. Spätestens jetzt wird auch dem ignorantesten Zweibeiner klar: die Lage spitzt sich zu und es besteht dringender Handlungsbedarf. Jetzt wäre noch ein deutliches Abbruchsignal möglich, aber in den Bruchteilen einer Sekunde ist diese Chance vertan und dann…

Und dann beginnt der diffizilste Teil der Aktion. Möglichst abwechselnd müssen wir nun diesen noch immer widerstrebenden Menschenkörper aus der Trägheit lösen, indem wir geschickt jede Lücke in der Deckung ausnutzen, um Druck in die Bewegung rein zu entwickeln. Das klappt gut, wenn sich einer von uns direkt in den Weg stellt, will sich der Zweibeiner dem entziehen, muss er dabei um einen von uns herumgehen, wobei dann schon der nächste den Weg versperrt und der Zweibeiner wieder ausweichen muss. Der gesamte Wegeseitenraum wird dann von dem Hund flankiert, der gerade nicht als Stolperfalle bereitsteht, sodass eine Ausfallbewegung in die falsche Richtung jederzeit verhindert wird. Die dritte Fellnase springt dann voran, um die Richtung der Karawane anzugeben. Ziel der ganzen Aktion ist natürlich, den Zweibeiner zur Haustür zu lotsen, damit es nur noch eine kleine Handbewegung für den Türdrücker braucht, sich die Tür öffnet und wir an dem Beginn eines neuen viel versprechenden Abenteuers stehen. Dabei untermalen wir dies auch stimmlich in ermunternder Deutlichkeit. Jetzt ist die Phase erreicht an der wir mit Bellen, Jodeln oder Gautzen (wie der Hesse so sagt) mehr Energie und Dynamik in die Aktion bringen. Bis wir dann an der Tür angelangt sind, erklingt meist ein stimmgewaltiger Hundegesang, der nur zu stoppen ist, wenn uns die Ausgehgeschirre angelegt werden. Dann sind wir mucksmäuschenstill und warten ganz superartig auf den jeweiligen Hundeplätzen, bis die Zweibeiner sich dann endlich ihre Ausgehfelle und Ausgehpfoten angezogen haben und es dann auch wirklich losgehen kann.

Und was soll ich Euch sagen, prozentual gesehen ist der Erfolgsquotient unheimlich hoch, sobald wir es geschafft haben, die dritte Stufe zu überwinden. Ist der Mensch erstmal in Bewegung gebracht, ist die Steuerung durch 3 Fellnasen, die sich einig sind, meist gar kein Problem mehr. Soviel Überzeugungskraft ist kaum etwas entgegenzusetzen. Sicher ist dabei natürlich auch hilfreich, dass wir immer völlig begeistert und enthusiastisch tun, nicht etwa auf bedrohlich und böse machen, damit kämen wir bei unserem Herrchen und Frauchen nicht weit. Immer schön locker bleiben und nur nicht zu verkrampft agieren, dass ist schon der halbe Erfolg.

Natürlich haben wir 3 Fellnasen auch eine Weile gebraucht, bis wir unsere Teamarbeit hier so perfektioniert hatten. Gerade in der Anfangsphase, als Woodstock noch nicht so eingewöhnt war, wusste der noch gar nicht so recht, worum es geht. Da ist es schon mal passiert, dass er anstatt uns Mädels zu helfen, Herrchen und Frauchen in die Gänge zu bringen, vielleicht dachte, er muss sie vor uns beschützen und anfangen wollte uns dafür zusammenzustauchen. Da haben Herrchen und Frauchen aber schnell und energisch abgebogen. Erstmal hat ihn das echt verwirrt. Aber bald hatte er die Spielregeln kapiert und ist uns jetzt wirklich eine große Hilfe und Unterstützung bei solchen Aktionen und immer öfter kommt es jetzt vor, dass er diese sogar anzettelt. Naja, soll er ruhig, Gina ist ja schon auch beschaulicher geworden und ist nicht mehr die Erste, die raus und laufen will und ich würde vielleicht auch Gina zuliebe zur Couchpotato, wenn Woody nicht so drängeln würde. Bei der Gelegenheit, habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass Woodstock auch seine guten Seiten hat? Doch, doch, das kann man schon sagen. In manchen Dingen sind gerade wir beide uns sehr ähnlich und einig…. Aber davon vielleicht mal später mehr.

 

Bis dahin alles Gute

Eure MALA